
Die Aktie der Commerzbank ist am Dienstag erstmals unter den Preis des von Vorstand und Mitarbeitern als feindlich eingestuften Übernahmetauschangebots der italienischen Bank Unicredit gefallen und ist damit plötzlich attraktiv. Die Commerzbank-Aktie kostete am 16. Juni gegen 11 Uhr 36,60 Euro. Unicredits Tauschangebot – für eine Commerzbank-Aktie bietet die italienische Bank seit 5. Mai 0,485 Unicredit-Aktien – entsprach bei einem Unicredit-Kurs von 76,80 Euro zum gleichen Zeitpunkt 37,25 Euro je Commerzbank-Aktie.
Das Angebot endet an diesem Dienstag. Am 19. Juni wird bekannt gegeben, wie viele Anleger es angenommen haben. Anschließend haben Commerzbank-Aktionäre noch weitere zwei Wochen bis 3. Juli die Möglichkeit, ihre Aktien quasi nachträglich Unicredit zum Tausch einzureichen. Dann könnten noch weitere Anleger aus Sorge, ihre Commerzbank-Aktien in einem zunehmend engen Markt nicht mehr reibungslos verkauft zu bekommen, ihre Commerzbank-Aktien Unicredit andienen. Am Finanzplatz Frankfurt spricht man von einer möglichen „Sogwirkung“.
Warum der Bund Unicredits Angebot ablehnt
Bisher hat Unicredit schon zwölf Prozent aller Commerzbank-Aktien angedient bekommen, obwohl das Angebot bisher wirtschaftlich nicht attraktiv war. Am letzten Tag der Angebotsfrist bekräftige die Bundesregierung, die nach dem Aktienverkauf an Unicredit im September 2024 noch 12 Prozent an der Commerzbank hält, auch mit diesem – nun nicht mehr triftigen Argument – ihre Ablehnung. Der für Beteiligungen zuständige interministerielle Lenkungsausschuss der Deutschen Finanzagentur, die den Staatsanteil an der Commerzbank verwaltet, unterstütze die Eigenständigkeit der Bank und lehne das „aggressive Vorgehen“ von Unicredit ab.
Zu Wochenanfang hatte Unicredit darauf hingewiesen, dass sie mit ihrem direkten Aktienanteil von 26,77 Prozent und den zum Tausch eingereichten Aktien auf einer Hauptversammlung der Commerzbank die erforderliche Mehrheit hätte. Damit könne Unicredit etwa Aufsichtsräte neu zu wählen, die dann den Commerzbank-Vorstand absetzen könnten.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagierte darauf sogleich. Sie erinnerte daran, dass der Bund, solange er eine Staatsbeteiligung hält, sich das Recht gesichert hat, stets zwei Aufsichtsräte in die Commerzbank zu entsenden. Darauf ging der Bund am Dienstag nicht ein. Die Commerzbank „spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands”, nannte die Finanzagentur vielmehr als eine Begründung für ihre Ablehnung von Unicredits Angebot. Auch die Arbeitsplätze seien wichtig für Frankfurt. „Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen“, meint die Finanzagentur.
Die Commerzbank beschäftigt in ihrer Frankfurter Zentrale rund 10.000 Beschäftigte. In Unicredits Münchener Tochtergesellschaft Hypo-Vereinsbank, mit der die Commerzbank nach Unicredits Plänen zusammengelegt werden soll, sind seit dem Kauf durch die italienische Bank im Jahr 2006 rund zwei Drittel der Arbeitsplätze verloren gegangen.
