
Jetzt ist es gleichsam amtlich: Die Generalsanierung des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden lässt weiter auf sich warten. Das ergibt sich aus der Antwort des hessischen Kunstministers Timon Gremmels (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen im Landtag. Dabei sind das Land und die Sitzstadt sich grundsätzlich seit mehr als einem Vierteljahrhundert einig. Schon im Jahr 2000 stand in einem Bericht an den Magistrat, dass der bauliche Zustand „äußerst bedenklich“ sei. Nach wie vor besteht dringender Handlungsbedarf.
Der neobarocke Prachtbau, den Kaiser Wilhelm II. vor mehr als 125 Jahren errichten ließ, zählt zu den schönsten Häusern Deutschlands. Doch heute sind nicht nur die Räumlichkeiten in einem zum Teil sehr schlechten Zustand. Die Arbeits- und Probebedingungen für die Beschäftigten sind mitunter prekär.
Umfassende Bestandsaufnahme geplant
Für die Balletttänzerinnen und -tänzer gibt es keine Ruheräume, sondern lediglich Matten auf dem Flur, die Proberäume des Orchesters sind zu klein, das Mobiliar ist zum Teil sehr veraltet. „Leuchttürme der Kulturlandschaft“ nennt Gremmels die drei Staatstheater in Wiesbaden, Kassel und Darmstadt.
Um die finanziellen Möglichkeiten, insbesondere auch der jeweiligen Sitzstätte als weiteren Trägers, nicht zu überlasten, verfolge man ein „rollierendes Investitionsmodell“ zur abschnittsweisen Sanierung der Einrichtungen. Dabei habe das Staatstheater Wiesbaden „nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht sicherlich eine herausgehobene Stellung“. So seien neben der üblichen Bauunterhaltung in den zurückliegenden Jahren erhebliche zusätzliche Mittel zur Ertüchtigung des Gebäudes, insbesondere des Brandschutzes, aufgewendet worden.
Die letzte umfassende Sanierung der Bausubstanz fand nach Gremmels Angaben in den Siebzigerjahren statt. Inzwischen sei eine „neuerliche grundlegende Sanierung und Anpassung der Räumlichkeiten und der Anlagentechnik unzweifelhaft erforderlich“. Sie werde durch eingehende Untersuchungen und eine umfassende Bestandsaufnahme der Bausubstanz vorbereitet.
Planung dauert bis in die 2030er-Jahre
Die jeweiligen Bestandsgutachten bildeten neben einer umfassenden Nutzerbedarfsanalyse die Grundlage für die anstehenden Planungen für eine Grundsanierung. Zunächst würden die umfassenden, strukturierten baulichen Bestandsaufnahmen der Gesamtliegenschaft bis Ende des Jahres 2026 zusammengefasst und damit abgeschlossen, so Gremmels.
Darauf aufbauend solle unter Berücksichtigung des Nutzungskonzeptes des Staatstheaters bis Mitte des Jahres 2028 ein grundlegendes Konzept zur Sanierung des Gebäudebestands vorgelegt werden. Für die sich daran anschließende Entwurfsplanung veranschlagt Gremmels „derzeit“ einen Zeitraum von drei Jahren.
„Auf dieser Grundlage werden das Land und die Stadt Wiesbaden als Finanzierungsträger des Staatstheaters gemeinsam über die konkreten, aufeinander aufbauenden Umsetzungsschritte entscheiden.“ Bisher gebe es keinerlei Festlegung auf etwaige mögliche Interimsspielstätten oder eine weitergehende Nutzungsanalyse. Zunächst müssten die Ergebnisse der bereits beauftragten Machbarkeitsstudie abgewartet werden. Geeignete Liegenschaften gebe es im Wiesbadener Stadtgebiet nur in einem begrenzten Umfang.
