Er war eine prägende Figur und einer der kreativsten Köpfe der Slackline-Szene. Andy Lewis hatte den Sport, bei dem auf einem schmalen Band akrobatische Kunststücke vollführt werden oder über schwindelerregende Abgründe balanciert wird, mitentwickelt, ihn immer wieder an neue Grenzen geführt, mit unbändiger Energie, überbordender Phantasie und seiner mitreißenden Art, die ihre optische Entsprechung in seiner wilden Lockenpracht fand. Am Sonntag ist der Amerikaner bei einem Basejumping-Unfall nahe Moab, seinem Zuhause im Bundesstaat Utah, tödlich verunglückt.
Bei dem Vorfall sei ein weiterer, zunächst nicht identifizierbarer Mann ums Leben gekommen, teilte das örtliche Sheriff-Büro mit. Die beiden hätten einen Tandemsprung absolviert, an dem ein Passagier und ein erfahrener Springer beteiligt sind. Der 39 Jahre alte Lewis hatte sich vor Jahren in Moab niedergelassen. Seit 2018 betrieb er dort ein Basejump-Unternehmen. Zur Ursache des Unglücks gab es zunächst keine Informationen.
2012 trat Lewis beim Super Bowl auf
Als Slackliner hatte Lewis, der aus Kalifornien stammte, vor allem das sogenannte Tricklining populär gemacht. Dabei zeigen die Athleten akrobatische Kunststücke auf dem schmalen, oft wild pendelnden Band. „Sketchy Andy“, wie sein Spitzname lautete, war ein Pionier dieses Sports, der Konzentrationsvermögen, Gleichgewichtssinn, Körperbeherrschung, Koordination und psychische Stabilität verlangt.
Er war Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger, perfektionierte den Rückwärtssalto auf dem Band, bewältigte extrem lange und hohe Slacklines. Im Februar 2012 trat er bei der Halbzeitshow des Super Bowls vor 70.000 Fans im Stadion und Abermillionen Fernsehzuschauern auf der Slackline auf, während hinter ihm Madonna sang.
Lewis kombinierte auch Slacklinen, Klettern, Akrobatik und Basejumping. Balanceakte auf Slacklines in großen Höhen ohne Sicherung, sogenannte Free Solos, zählten zu seinen Lieblingsprojekten. Bei einem Treffen 2011 in Brixen sagte er der F.A.Z.: „Free Solos faszinieren mich am meisten. Es ist die beste Seite des Slacklinens.“ Free Solo bedeute maximale Freiheit, „es ist wie ein höherer Bewusstseinszustand, ein Zustand extremer Fokussierung“. Der Gefahren war er sich sehr wohl bewusst. „Die Angst ist immer da. Aber man trainiert, mit dieser Angst umzugehen“, sagte er.
Der deutsche Extremkletterer Thomas Huber reagierte bestürzt auf den Tod des Slackline-Pioniers. In einem Beitrag auf Instagram nannte er Andy Lewis „den wildesten von uns“. Mit seinen Fähigkeiten und seiner Art, durch das Leben zu gehen, mit seiner Intensität und Energie habe er viele Weggefährten inspiriert. „Er hat uns daran erinnert, dass Grenzen dazu da sind, hinterfragt zu werden, und dass man dem Leben mit Mut begegnen sollte.“ Thomas Huber schloss: „Ruhe sanft, Andy. Du wirst nie vergessen sein.“
