Noch ist das erste Spiel der Fußballweltmeisterschaft in den USA nicht angepfiffen, und doch ist sie für viele Beteiligte schon vorbei. Dem somalischen Schiedsrichter Omar Artan wurde die Einreise trotz gültigen Visums verweigert, der Schweizer Breel Embolo hatte Probleme, ein Visum zu bekommen, der irakische Stürmer Aymen Hussein wurde über Stunden am Flughafen von Chicago festgehalten und befragt.
Überraschend kommt das nicht – auch wenn Fifa-Chef Gianni Infantino vergangenes Jahr noch behauptete, bei der Einreise in die USA würde alles smooth verlaufen. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump fahren die USA eine rigorose Migrationspolitik. Geflüchtete kommen kaum noch ins Land, Menschen ohne Papiere werden von der Einwanderungsbehörde ICE brutal festgenommen und verschleppt. Doch auch wer nicht plant, dauerhaft in den USA zu bleiben, muss sich bei der Einreise auf zusätzliche Überprüfungen einstellen – auch unabhängig von der WM.
Für Omar Artan platzt ein Traum
Bei Schiedsrichter Omar Artan dauerten diese Überprüfungen am Flughafen von Miami zehn Stunden, wie er der New York Times (NYT) erzählte. Dann musste er zurück in die Türkei fliegen. Artan sagte, die Grenzbeamten hätten ihn zur politischen Lage in Somalia befragt, vor allem zur islamistischen Terrormiliz Al-Shabaab. Angebliche Verbindungen zu einer solchen Miliz – die Artan bestreitet – sollen schlussendlich auch der Grund gewesen sein, wieso ihm die Einreise verweigert wurde.
Für Artan, der der erste somalische Schiedsrichter bei einer WM gewesen wäre, dürfte das kaum eine Rolle spielen. Er sei einfach »sehr, sehr enttäuscht«, sagte er der NYT. Er sei »einfach nur ein Schiedsrichter«, der versuche, sich mit der WM-Teilnahme den größten Traum seines Lebens zu erfüllen.
Bei der Fifa fühlt man sich für Artans verweigerte Einreise nicht verantwortlich. Wie bei früheren Fifa-Turnieren entscheide letztlich die Regierung des Gastgeberlandes darüber, »wer ein Visum erhält und wer in das Land einreisen darf«, hieß es in einer Mitteilung des Fußballweltverbands. Die Menschenrechtsorganisation Sport & Rights Alliance kritisiert das entschieden: Die Fifa hätte sich darauf vorbereiten müssen, »die Welt in der Weltmeisterschaft zu halten«, sagte Geschäftsführerin Andrea Florence der ZEIT. Das Ausbleiben von Maßnahmen sende eine »erschreckende Botschaft« an Fans und Journalisten, die in die USA einreisen würden.
Irakischer Teamfotograf ist »nicht einreiseberechtigt«
Für Stürmerstar Aymen Hussein, der maßgeblich am Erfolg des Irak in den Play-offs zur WM beteiligt war, ging eine siebenstündige Befragung am Flughafen von Chicago einigermaßen glimpflich aus. Er durfte, nachdem auch sein Handy kontrolliert worden war, schlussendlich einreisen, wie mehrere US-Medien berichten. Teamfotograf, Talal Salah, der mit Hussein und der irakischen Mannschaft reiste, wurde hingegen von der Grenzbehörde als »nicht einreiseberechtigt« eingestuft.
Breel Embolo, Stammspieler der Schweiz und langjähriger Bundesligaprofi, bekam schon vor Abflug Probleme mit den US-Behörden. Sein Team musste ohne ihn aufbrechen, weil seine elektronische Reisegenehmigung (Esta) wegen eines Gerichtsurteils gegen ihn kurzfristig ihre Gültigkeit verloren hatte. Nachdem er offenbar nachweisen konnte, dass es dabei nicht um körperliche Gewalt ging, wurde ihm ein Visum bewilligt, und er konnte seiner Mannschaft nach Los Angeles hinterherreisen. Embolo war im September vergangenen Jahres von einem Basler Gericht wegen mehrfacher Drohung schuldig gesprochen worden.
Auch den Fans wird die Einreise erschwert
Auch mehrere schottische Fans hatten laut Medienberichten Probleme mit ihrem Esta, das eine Einreise in die USA für die Dauer von 90 Tagen ermöglicht. Der Status ihrer Reiseanträge habe sich vergangene Woche von »genehmigt« zu »Reise nicht autorisiert« geändert, berichtete die BBC. Gründe wurden den Fans demnach nicht genannt, viele könnten wegen der bereits gebuchten Reisen Tausende Pfund verlieren. Wie Embolo haben auch die schottischen Fans die Möglichkeit, nun ein Visum zu beantragen. Dass auch ihre Anträge priorisiert bearbeitet werden, erscheint jedoch zweifelhaft.
Und dann ist da natürlich noch der Iran, gegen den die USA einen Krieg führen. Die Nationalmannschaft des Landes hat ihr Trainingscamp in Mexiko, soll aber für ihre Spiele in die USA einreisen dürfen. Bei den Vorrundenspielen in Seattle und Los Angeles will das Team ein bis zwei Tage vorher vor Ort sein. Das Ticketkontingent für iranische Fans wurde dem Verband nach eigenen Angaben entzogen.
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