Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev hat in Paris das Finale der French Open gewonnen. Der
29-Jährige setzte sich gegen den Italiener Flavio Cobolli (24) mit 6:1,
4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 durch und kürte sich zum verdienten Sieger des
Sandplatz-Turniers. Vor ihm hatte hier seit Beginn der Profiära
1968 kein männlicher Tennisspieler aus Deutschland gewonnen.
Zverev hielt auch im Finale dem großen
Titel-Druck stand und gewann als erster Deutscher seit Boris Becker vor
30 Jahren einen Grand-Slam-Titel. Becker hatte damals bei den Australian
Open gesiegt. Für seinen Triumph bei einem der vier wichtigsten
Turniere benötigte Zverev 41 Anläufe, dreimal war er auf teils
dramatische Weise erst im Finale gescheitert – doch diesmal nicht.
Deutlicher Klassen-Unterschied
Der Hamburger zeigte angesichts körperlicher Probleme ab dem vierten Satz
Kämpferqualitäten. Er belohnte sich für seine Hartnäckigkeit, auch nach schweren Niederlagen, Verletzungen und großen
Zweifeln von außen immer an seine Chance geglaubt zu haben. Die war
diesmal nach dem frühen Ausscheiden der Topstars Jannik Sinner und Novak
Djokovic und dem Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz
so groß wie nie – und Zverev nutzte seine Chance.
Der Olympiasieger von 2021 war gegen Final-Debütant Cobolli zu
Beginn der dominantere Spieler mit den präziseren Schlägen. Vor allem
beim Aufschlag war ein Klassen-Unterschied deutlich, sodass Zverev dem
Italiener im gewonnenen ersten Satz gleich dreimal breaken konnte.
Cobolli hatte im Halbfinale kampflos gewonnen, weil sein Gegner und Landsmann Matteo Arnaldi krankheitsbedingt nicht antreten konnte. Körperlich sicher ein Vorteil, doch der Weltranglisten-14. wirkte zunächst mental nicht auf der Höhe. Das Publikum versuchte, Cobolli mit Applaus und Rufen aufzubauen. Daraus zog der Außenseiter im zweiten Satz neue Energie und plötzlich wirkte auch Zverev unsicherer.
Körperliche Probleme bei Zverev
Das verlorene Aufschlagspiel zum 3:4 machte seinen Gegner noch mutiger und holte Satz Nummer zwei. Auf das riskante Spiel seines Gegners stellte sich Zverev zunächst etwas besser ein. Durch ein Break im letzten Spiel gewann er den dritten Satz, doch im vierten Durchgang schwächelte Zverev. Er bewegte sich nicht mehr so gut und auch sein erster Aufschlag fand nicht mehr wie gewohnt sein Ziel.
Als Cobolli zum Satzgewinn aufschlug, mobilisierte Zverev alle Kraftreserven, doch im Tiebreak verlor er den Durchgang dann doch. Bei einer Pause wurde er zuvor auf der Bank an den Oberschenkeln massiert. Auch im fünften Durchgang war Zverev angeschlagen, doch die größeren Fehler machte Cobolli. Zverev reagierte selbst bei den zwei Breakgewinnen kaum emotional.
Dass Zverev seinen Sehnsucht-Titel auf seinem Lieblingsbelag Sand in
Paris holte, macht die Erfolgsgeschichte noch besser. Hier hatte er sich
in Topform im Halbfinale 2022 gegen den Spanier Rafael Nadal schwer am
Fuß verletzt und war als tragischer Verlierer mit einem Rollstuhl vom
Platz gefahren worden. Vier Jahre später konnte sich Alexander Zverev
auf dem Court Philippe Chatrier als strahlender Sieger feiern lassen.
