
Die Schraubenwurmfliege hat die USA erreicht. Fachleute hatten es befürchtet. Seit vergangenem Freitag gibt es Gewissheit. Das Landwirtschaftsministerium bestätigt, dass der fleischfressende Parasit bei einem Kalb in Texas entdeckt wurde. Inzwischen ist ein zweiter Befall identifiziert worden. In den Sechzigerjahren war es nach gewaltigen koordinierten Anstrengungen gelungen, die spezielle Schmeißfliege in den USA, Mexiko und Zentralamerika auszurotten. Nun ist sie wieder da und bedroht Viehherden, die Existenz von Bauernhöfen und treibt die Steakpreise weiter in die Höhe.
Die Neuwelt-Schraubenwurmfliege hat einen ziemlich speziellen Lebenszyklus. Ausgewachsene Fliegen legen ihre Eier in offene Wunden von Tieren – meist Säugetieren. Aus den Eiern schlüpfen die Schraubenwürmer, die sich in das gesunde Fleisch des Tieres fressen. Rinder sind für Schraubenwürmer besonders anfällig, vor allem an Wunden. Weibliche Fliegen können 200 bis 300 Eier auf einer Wunde ablegen. Die Maden bohren sich schraubenartig in die Wunde des Gasttieres, das dann an der Wunde selbst oder Folgeinfektionen stirbt.
Die Agrarministerin beschwichtigt
Das Comeback war erwartet worden, nachdem der Parasit im Jahre 2024 in Guatemala und in den Folgejahren in Mexiko und zuletzt nahe der Grenze zu den USA aufgetaucht war. Der Parasit, der in Südamerika verbreitet ist, hatte um 2022 herum das sogenannte Darien Gap überwunden, ein unwirtliches Dschungel- und Sumpfgebiet, das sich vom nördlichen Kolumbien nach Panama erstreckt.
Die Sorgen sind groß, dass die Ausbreitung schwer zu stoppen ist. Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins versuchte unterdessen, die Gemüter zu beruhigen. „Wir glauben nicht, dass daraus ein größerer Befall wird. Wir werden jeden einzelnen Fall isolieren können“, sagte Rollins bei einer Anhörung vor dem Landwirtschaftsausschuss des Repräsentantenhauses.
Um eine Ausbreitung zu verhindern, haben die Behörden eine 20 Kilometer breite „Kontrollzone“ eingerichtet, in der Viehherden unter Quarantäne gestellt und auf Befall überwacht werden. Zudem haben sie vier Millionen sterile Fliegen am Boden freigesetzt – zusätzlich zu weiteren vier Millionen, die seit Februar wöchentlich per Flugzeug ausgebracht werden.
Mit der massiven Freisetzung von sterilen männlichen Fliegen war es in den Sechzigerjahren gelungen, die Schraubenwurmfliege zu verdrängen: Bei dieser Methode züchteten Fachleute in Labors Hunderte Millionen Fliegen, die durch Bestrahlung sterilisiert wurden. Anschließend wurden die sterilisierten Männchen freigesetzt. Diese paarten sich mit Weibchen, zeugten aber keinen Nachwuchs. So schrumpften die Populationen schließlich zumindest in Nordamerika auf null.
Zu wenig sterile männliche Fliegen
Das Problem ist die Kapazität: Das US-Agrarministerium betreibt zusammen mit Panamas Agrarministerium die einzige verbliebene Produktionsanlage für sterile Schraubenwurmfliegen in Nordamerika. Die Anlage produziert und verteilt rund 100 Millionen sterile Fliegen pro Woche. In der Hochzeit der Ausrottungskampagne gab es entsprechende Einrichtungen in den USA und Mexiko, die aber im Laufe der Jahre geschlossen wurden. Nun sind die USA dabei, eine schon länger brachliegende Einrichtung in Texas zu reanimieren, die 300 Millionen sterile Schmeißfliegen pro Woche heranzüchten soll. Sie soll so schnell wie möglich fertig werden. Die Bauarbeiten sind im Gange, doch die Fertigstellung ist erst für spät im kommenden Jahr vorgesehen. Texas Gouverneur Greg Abbott forderte nun, den bau zu beschleunigen, um die Plage abzuwenden und wirtschaftliche Folgen zu minimieren. Kanada hat inzwischen ein Einfuhrstopp für Rinder aus den betroffenen Regionen verhängt.
Zu den Eindämmungsmaßnahmen gehören auch Importverbote von Kälbern aus Mexiko. Vor dem Bann hatten mexikanische Bauern jährlich rund 1 Million Jungtiere an Mäster in Texas und andere an Mexiko grenzende Bundesstaaten verkauft. Ohne die Lieferungen verloren amerikanische Bauern und kleinere Schlachthöfe ihre wirtschaftliche Grundlage. In Mexiko expandieren unterdessen die Mastbetriebe, die die einst für den Export gezüchteten Tiere aufnehmen. Die mexikanischen Schlachthöfe werden ebenfalls ausgebaut und produzieren unter anderem Steaks für den Export in die USA.
Die Entwicklung trifft die USA in einer Phase, in der so wenige Rinder wie seit den Fünfzigerjahren nicht mehr gehalten werden. Unterdessen steigen die Preise für Rindfleisch weiter. Ein Pfund Steak kostet im Durchschnitt 13 Dollar das Pfund, 16 Prozent mehr als voriges Jahr. Vor der Pandemie lag der Pfundpreis noch bei rund 8 Dollar.
