Staubsaugerroboter, die im Nebenjob auch wischen, haben sich im Markt durchgesetzt. Sie erledigen zwar nicht das große Aufwischen der schwäbischen Hausfrau, wohl aber eine Grundreinigung zwischendurch. Das Staubsaugen beherrschen die Roboter mittlerweile, im Wischen zeigen sich Qualitätsunterschiede. Einige Hersteller wie Roborock ersetzen die sich drehenden Wischmopps neuerdings durch eine rotierende Walze, die mehr Druck auf den Boden bringt und in der Basisstation gereinigt wird.
Der Hersteller Dyson hat nun einen ersten Wischroboter auf den Markt gebracht, der eine Walze verwendet, die wiederum fortwährend im Roboter selbst während der Fahrt gereinigt wird. Eine weitere Innovation besteht darin, dass sich die Walze automatisch um bis zu vier Zentimeter aus dem Gehäuse herausschiebt, um bis an die Ränder einer Wand zu kommen. Zudem kann der Spot+Scrub AI auf Wunsch mit heißem Wasser waschen, was sich für Holz- und Laminatböden abschalten lässt.
Einfach auf den Weg gebracht und viel Design fürs Auge
Wir haben den smarten Helfer in unserem Haus einziehen lassen. Mit einem Straßenpreis von rund 900 Euro ist er deutlich günstiger als die Rivalen von Roborock oder Ecovacs. Beim Aufstellen fällt auch gleich auf, dass er auch größer ist. Mit einer Höhe von rund 11 Zentimeter fährt der Roboter nicht mehr unter unser Sofa und auch nicht unter den Schrank im Flur, beides beherrschen seine Mitbewerber durchaus gekonnt. Gefallen findet sofort der transparente Behälter für den aufgesaugten Schmutz. Man sieht sofort den Füllstand und muss sich nicht ums Nachkaufen von Staubbeuteln kümmern. Hinter dem Frischwassertank sitzt ein weiterer Behälter für die Reinigungslösung. Ohnehin hat der Dyson fürs Auge einiges zu bieten. Wenn das Wasser im transparenten Tank während des Waschens rotiert und der Staub abgesaugt wird, schaut man gern zu.
Bei allen seinen Tätigkeiten geht der E-Schrubber zudem unüberhörbar vor. Das kurze Staubabsaugen ist laut, das bis zu fünfstündige Trocken der Reinigungswalze ebenfalls, da sind andere Geräte deutlich leiser und haben zudem einen Modus, der nächtliche Ruhestörungen von vornherein unterbindet.

An der Vorderfront sitzen die Kameraaugen des Roboters. Für die Hinderniserkennung sind eine Kamera und ein Kreuzlaser zuständig. Eine grüne LED beleuchtet den Boden flach von der Seite und macht damit Schmutz, Krümel und Flecken gut sichtbar. Es ist dieselbe Technik, die Dyson auch für neuere Akkustaubsauger einsetzt. Wir haben das mit dem V16 ausprobiert, es ist beeindruckend, weil man eben deutlich mehr sieht.
Er ist leider laut
Während der ersten Fahrt kartographiert der Roboter die Wohnung oder die Etage. Es lassen sich auch mehrere Etagen verwalten. Die Orientierungsfahrt ist schnell erledigt, die Räume werden automatisch identifiziert, zusätzlich lassen sich virtuelle Barrieren setzen, die der Dyson nicht überfährt. Nachdem er sich auf der einige Zentimeter hohen Kaminplatte festgefahren hatte, errichteten wir eine Sperrzone um die Platte. Ferner lassen sich Bereiche festlegen, in denen immer nur gewaschen oder immer nur gesaugt wird. Davon einmal abgesehen hat er eine Teppicherkennung, die ein Waschen des Teppichs unterbindet. Die Einrichtung geht schneller und einfacher vonstatten als bei der Konkurrenz. Man muss allerdings in der zugehörigen App unabdingbar seine E-Mail-Adresse angeben und wird fortan mit Werbung zugeballert. Die kommt auch dann ins Postfach, wenn man sich abmeldet. Wir haben das mehrfach durchexerziert.
Auf seiner ersten Reinigungstour machte der Dyson einen guten Job. Er hat zwar zwei seitliche Stupsbürsten, aber keine ausfahrbare Seitenbürste wie seine Mitbewerber. Doch gab es an der Qualität des Staubsaugens wenig auszusetzen. Mit Ausnahmen: Haare verheddern sich leicht in der Bürste, und die Hinderniserkennung könnte etwas besser sein. Immer wieder versuchte er, unter das Flurmöbel zu fahren, was ihm ob seiner Höhe indes nicht gelang. Auch hier gilt: Er ist laut. Auf Teppichen wird die Saugleistung automatisch erhöht, auch das hört man sofort. Während eines Reinigungsvorgangs fuhr er immer wieder von innen gegen die Tür des Gäste-WCs, schloss sie damit und sich ein. Auf dem Smartphone meldete die App derweil, der Reinigungsvorgang sei abgeschlossen.
Künstliche Intelligenz erfasst die Verunreinigungen
Im Wischbetrieb liefert der Dyson ziemlich gut ab. Zwar nicht so, dass man den Feudel aus Küche und Flur verbannen würde. Aber alle wesentlichen Flecken des Alltags wurden gut entfernt, mit Ausnahme derjenigen dicht am Rand von Wand oder Küchenschrank. Der Hersteller sagt, dass alle Schmutzobjekte mit der Kamera erfasst werden. Eine Künstliche Intelligenz werte aus, um welche Art von Dreck es sich handele, und dabei könne die KI fast 200 verschiedene Verunreinigungen unterscheiden. Auf diese Weise werde besonders gründlich gereinigt. Abschließend prüfe der Roboter noch einmal, ob er seinen Job ordentlich gemacht hat. Andernfalls fahre er noch einmal zurück. Nach unseren Erfahrungen funktioniert das alles mit jenen Grenzen, die auch für andere Wischroboter gelten.

Im Härtetest brachten wir jeweils einen Esslöffel Sojasoße, Ketchup und Senf auf die Fliesen in der Küche auf und programmierten eine zweimalige Reinigung. Der Dyson reinigte zunächst alles andere, bevor er sich den drei Problemzonen näherte. Anschließend fuhr er mehrfach über die Sojasoße und den Senf, und dann sah man gleich das erste Problem: Die rotierenden Stupsbürsten waren sofort verschmutzt und verteilten mit jeder Umdrehung den Dreck weiter. Fürs Wischprogramm müssten sie automatisch abgenommen oder hochgefahren werden, das geschieht jedoch nicht. Nach der Hälfte der Reinigung fuhr der Dyson zur Basisstation, um die Wischwalze zu reinigen. Anschließend setzte er erneut auf der Problemfläche an. Das Ketchup wurde wohl als Hundekot angesehen und vorsichtig umfahren. Die Sojasoße ward gut beseitigt, vom Senf blieb noch ein breiter gelber, gut verteilter Streifen übrig. Auch an der Unterseite des Roboters und der Walze klebte der Senf: Zeit für eine aufwendige händische Reinigung.

Von dieser bewussten Überforderung einmal abgesehen, machte er bei uns im Haus einen guten Job. Die KI-Fähigkeiten halten sich jedoch in Grenzen, und den Nachfolger wünschen wir uns vor allem flacher und leiser. Optik und Materialanmutung folgen dem hohen Dyson-Qualitätsniveau, der Preis ist angemessen.
