Humor von Bänkern ist vermutlich gewöhnungsbedürftig. Bei dem in „JP Morgan Chase Corporate Challenge“ umgetauften Frankfurter Firmenlauf trugen die zahlreichen Mitarbeiter der Commerzbank auf ihren Shirts ein Wortspiel durch die Stadt, das den neuen Namen der zuvor nur „JP Morgan Corporate Challenge“ genannten und weltweit von der amerikanischen Bank organisierten Laufserie aufs Korn nahm. Die von einer Übernahme durch die italienische Unicredit bedrohte deutsche Bank nimmt für sich in Anspruch, Erfolgsgeschichten zu jagen (chase), während die amerikanische Bank nur das Wort im Namen führe.
Die Commerzbank war freilich nicht allein in ihrem Bemühen, witzig zu sein. Am Straßenrand feuerte eine Frau ihren Lebenspartner mit einem Transparent an, auf dem die in der Finanzwelt so bedeutsame Abkürzung KPI aufgelöst wurde im Motivationsslogan „Keep pushing it“ (Mach weiter Druck!). Die Unterstützerin eines anderen Läufers gönnte sich eine Spitze gegen den Workaholic an ihrer Seite: „At least you are not at work“ („Wenigstens bist du nicht bei der Arbeit“).
Wie sich die Transparente auf die individuelle Laufleistung zwischen dem Start nahe der Alten Oper und dem Ziel an der Senckenberganlage auswirken, wäre ein schönes Thema für eine empirische Studie von Sportwissenschaftlern. Die Analyse der Laufzeiten für die 5,6 Kilometer lange Strecke insgesamt fällt leichter. Abermals hat sich die Frankfurter Ausgabe des Firmenlaufs nicht nur als die größte unter den in 16 Städten auf fünf Kontinenten ausgetragenen Rennen erwiesen, sondern auch als eine der schnellsten.
Das gilt nicht nur für die Zeiten der Sieger: Moges Dargie Mengesha, Mitarbeiter der Seniorenwohneinrichtung GFDE Haus Weingarten in Kelsterbach, lief in 16:06 Minuten exakt dieselbe Zeit wie der wegen der Folgen einer Viruserkrankung pausierende Rekordsieger Simon Stützel bei seinem vierten Erfolg im vergangenen Jahr.

Die Polizistin Nina Reuter führte die Wertung der Frauen an und verbesserte ihren eigenen Streckenrekord um sieben Sekunden auf 18:01 Minuten. Beide Läufer führen damit zur Halbzeit der Laufserie die weltweite Bestenliste an. Auch die Durchschnittszeit ist in Frankfurt stets bemerkenswert gut.
Laufen für den Teamgeist
Dazu trugen in diesem Jahr auch prominente Mitläufer bei: Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul lief als Botschafter der durch den Spendenerlös begünstigten Laureus-Stiftung „Sport for Good“ drei Tage nach einem Wettkampf in Götzis durch Frankfurt. Für den Mainzer Weltklasse-Leichtathleten war es das erste Mal, dass er in einer solchen Masse durch Frankfurt gerannt ist. „Das macht Sport aus, dass er Menschen zusammenbringt, die sich gemeinsam bewegen“, sagte Kaul vor dem Start. Er hatte sich einen entspannten 4:30er-Schnitt pro Kilometer vorgenommen.
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) und Alexander Mayer, Deutschlandchef von J.P. Morgan, liefen in etwas mehr als einer halben Stunde immer noch zügig ins Ziel. Mayer überwand die Enttäuschung rasch, seinen Traum von einer Zeit unter 30 Minuten nicht verwirklicht zu haben. „Mein Job und das Alter tragen nicht dazu bei, dass ich schneller werde“, sagte der Mann mit der Startnummer 1. „Ich sehe so einen Lauf als einen Wettkampf gegen sich selbst an.“
Mayer lobte die „tolle Atmosphäre“ und wies auf den wichtigsten Aspekt der Firmenläufe hin, die sein Unternehmen weltweit zum 50. Mal veranstaltet und in Frankfurt zum 32. Mal ausgetragen hat. „Wenn alle miteinander laufen, vom Boss bis zum Auszubildenden, werden Hierarchien im Unternehmen aufgebrochen und Abteilungsgrenzen eingerissen.“
Linke kritisiert Partys nach dem Lauf
Das setzt sich bei den Partys hinter dem Ziel fort, zu denen nahezu alle der über 2300 Unternehmen, die für ihre laufenden Mitarbeiter jeweils 35 Euro Startgebühr entrichtet haben, ins Freie, in ein Restaurant oder auch in die eigenen Räume einladen. Von diesen Festen soll der Teamgeist ebenfalls profitieren.

In den Augen der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung Heike Leitschuh von der Linken geht das aber zu stark auf Kosten der Stadt. Sie kritisierte im Namen ihrer Partei nur wenige Stunden vor dem Start in einer Pressemitteilung, dass die Stadt nicht nur Plätze, sondern auch Grünflächen als Partyplätze zur Verfügung stelle. Ein Angebot, das auch die F.A.Z. wie seit vielen Jahren nutzte und den Lauf auf einer Wiese in den Wallanlagen ausklingen ließ.
„Es darf nicht sein, dass Unternehmen Geld zahlen, um Grünflächen sperren zu lassen, dort teure Partys veranstalten und die Grünflächen extrem zerstört hinterlassen“, schrieb Leitschuh. „Die Stadt trägt hierbei Verantwortung“, hieß es weiter. Es gebe genug versiegelte Flächen, auf denen die Partys stattfinden könnten. „Parks und Grünflächen sind für alle da, nicht für die Banken.“ Leitschuh fordert, dass die Unternehmen für die Wiederherstellung der Flächen aufkommen.
J.P.-Morgan-Chef Meyer reagierte auf die Kritik mit dem Hinweis, dass sein Unternehmen seiner Verantwortung gerecht werde und der Stadt sehr dankbar sei für die gute Zusammenarbeit. „Wir veranstalten den Lauf in enger Abstimmung mit der Stadt Frankfurt und das nutzt alles dieser Stadt, um auch als Sportstadt wahrgenommen zu werden.“
