Für seine Beistelltische hat Tobias Hirt eine Maschine gebaut, die gar nicht wie eine aussieht. Der Designer aus Frankfurt hat eine kleine Kiste entwickelt und klappt sie nun auf. Drinnen befindet sich eine Presse, die dafür sorgt, dass die Aluminiumteile, die Hirt für seinen Designtisch zusammensteckt, in die richtige Form kommen. Ihre Entwicklung sei gar nicht so einfach gewesen, sagt Hirt, schließlich strebe das Material stets auch nach dem Pressen wieder zurück in die Ausgangsform, weshalb die Winkel für die gebogenen Teile des Tisches sehr genau berechnet werden müssten.
Eigentlich ist Tobias Hirt Schreiner und macht Möbel aus Holz, nun hat er sich an Aluminium versucht. Seine Stücke zeigt er von Freitag an bis zum 14. Juni in einem Schauraum in der ehemaligen Zentrale des Versandhändlers Neckermann, wo heute unter anderem die Eventlocation „Danzig am Platz“ angesiedelt ist. Der Kreativraum ist einer der zentralen Standorte der „Open“, einer Designwoche, die ein Herzstück der World Design Capital ist, die Frankfurt und die Region im Jahr 2026 zum Zentrum der Branche machen soll.
Erwartungen an die Designwoche „Open“
Tobias Hirt erhofft sich viel von der „Open“ genannten Woche, in der dem Organisationsteam der World Design Capital zufolge mehr als 150 Mitwirkende ein über 200 Termine umfassendes Programm präsentieren, das die Stärke der Kreativwirtschaft der Region darstellen soll. Dabei gehe es ihm nicht primär darum, etwas zu verkaufen, sagt er. Vielmehr hat Designer Hirt den Eindruck, dass Frankfurt und Rhein-Main auf der Landkarte des internationalen Designs zu wenig wahrgenommen werden. Das könnten die World Design Capital und mittendrin die Kreativwoche „Open“ ändern.

Wie viele Menschen in den zehn Tagen der Designwoche die Angebote nutzen, kann Carolina Romahn nicht sagen, vorstellbar wären 50.000, aber auch mit 10.000 sei man schon zufrieden, sagt die Geschäftsführerin des Organisationsteams der World Design Capital. Schließlich gehe es nicht primär um die schiere Quantität, sondern darum, dass die richtigen Besucher kämen. Das sieht auch Mike Wirthensohn so. Er ist Student an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und einer von sieben Handwerksdesignern, die sich im Kollektiv Raft zusammengeschlossen haben und im „Danzig am Platz“ unter anderem Möbel zeigen wollen. Wirthensohn, der ein selbst entworfenes und gebautes gelbes Regal mit ungewöhnlichen Formen vorstellt, hofft, im Zuge der Designwoche Hersteller zu treffen, die seine Werke produzieren und verkaufen. „Denn ich will mich ja weiter auf das Design konzentrieren.“
An der World Design Capital wurde zuletzt immer wieder kritisiert, sie sei zu kulturlastig, die Designwoche soll nun an vielen Stellen dafür sorgen, den Gegenbeweis anzutreten, also den Nutzen des Themas für die Wirtschaft der Region herauszuheben und konkretes Geschäft anzubahnen. Das erhofft sich auch Mike Wirthensohn. „Wir stärken die Sichtbarkeit der Kreativbranche“, sagt Romahn.
„Design Value“: Ausstellung im Bankenviertel
Die Rolle von Design für den Erfolg von Produkten und damit auch seine Bedeutung für Innovation und Wertschöpfung ist auch Bernd Kracke wichtig. Der ehemalige Präsident der Hochschule für Gestaltung hat eine Ausstellung kuratiert, die im Zuge der Designwoche „Open“ vom 6. Juni an in der „Neuen Kaiser“ im Frankfurter Bankenviertel gezeigt wird und bei der es um Design Value, also den Wert von Gestaltung, geht. Kracke sagt, die Rolle von Gestaltern bei der Entstehung wirklich guter Produkte werde immer noch und viel zu häufig unterschätzt. „Innovationen, die mit Design und Funktionalität punkten können, haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, findet er.
Die Ausstellung soll diese Auffassung belegen. Denn Kracke hat Exponate aus Hessen zusammentragen lassen, die für besonders gute Gestaltung stehen und zeigen sollen, dass Design in dem Bundesland schon seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielt. So finden Besucher einen Blick in die Frankfurter Küche, ein vielfach prämiertes Rennrad des Unternehmens Storck aus Idstein, eine elektrische Zahnbürste von Procter and Gamble aus Schwalbach oder mit dem 1860 entworfenen Kaffeehausstuhl von Thonet aus Frankenberg und dem Taschenradio von Braun-Kultdesigner Dieter Rams, das einst als Vorbild für den Apple iPod diente, mehrere berühmte Klassiker.

Auch Zeichnungen vom gerade eröffneten Terminal 3 am Frankfurter Flughafen gehören zur Ausstellung, das Gebäude sieht Kracke als gutes Beispiel für Design Value. Schließlich sorge die Architektur von Christoph Mäckler nicht nur für eine gute Besucherführung, sondern auch dafür, dass das Terminal im laufenden Betrieb erweitert werden könne. Insgesamt hätten hessische Unternehmen zwischen 2020 und 2025 für ihre Designleistungen über 560 Auszeichnungen gewonnen, berichtet Kracke.
Mike Wirthensohn ist jedenfalls guter Dinge, dass das gelingen könne. „Ich sehe die Designwoche als Chance, dass sich kleine Designer großen Unternehmen präsentieren.“
