
Wie kann die Kirche Menschen erreichen, die mit Religion und Gott nichts am Hut haben? Darüber zerbrechen sich die katholischen Bischöfe in Deutschland aus gutem Grund schon seit Längerem den Kopf. Das ist ein schwieriges, aber nicht völlig aussichtsloses Unterfangen.
Da gibt es zum Beispiel den Kölner Dom. Jährlich strömen sechs Millionen Menschen aus aller Welt in diese gotische Kathedrale. Nur die wenigsten davon besuchen einen Gottesdienst oder kommen zum stillen Gebet. Die meisten sind Touristen. Die sind bisweilen laut und stören die Andacht. Das stimmt.
Das Erzbistum geht nicht am Bettelstab
Aber wo kann die Kirche mehr Leute erreichen, die sonst nicht mehr für sie ansprechbar sind? Statt froh darüber zu sein, knöpft das zuständige Domkapitel künftig Erwachsenen zwölf Euro Eintritt ab, wenn sie nicht ausdrücklich einen Gottesdienst besuchen oder beten wollen. Das ist eine geistliche Bankrotterklärung für eine Kirche, die doch eigentlich für ihre frohe Botschaft werben will. Und ein Tabubruch in Deutschland. Der Dom ist kein Museum.
Natürlich ist der Dom auch keine Missionsstation. Niemand geht als Atheist hinein und kommt als Katholik wieder heraus. Aber eine derart platte Kosten-Nutzen-Kalkulation ist völlig fehl am Platze. Niemand kann von vorneherein ausschließen, dass ein Besuch im Dom nicht doch Spuren hinterlässt. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte: Das Eintrittsgeld sendet ein Signal, das verheerend wirkt, auch innerkirchlich: Es sind nicht alle gleichermaßen willkommen.
Die Argumente für ein Eintrittsgeld überzeugen nicht. Die Instandhaltung des Doms kostet viel Geld. Am Bettelstab geht das Erzbistum Köln jedoch noch lange nicht. Es handelt sich um eine Frage der Prioritäten.
Der Hinweis, dass Touristen etwa in Italien auch Eintritt für einige Kirchen bezahlen müssen, verfängt nicht. Die Kirche im Land des heiligen Franziskus verfügt in vielen Landesteilen nur über bescheidene finanzielle Ressourcen. Dann sollte Kardinal Woelki auch konsequent sein und sich mit dem Gehalt seiner italienischen Amtsbrüder begnügen, die nur einen Bruchteil seiner Besoldung erhalten.
