
Lediglich dreimal in den vergangenen 18 Jahren hat die jüdische Gemeinde in Wiesbaden Menschen für ihre „Treue mit den Angelegenheiten der Gemeinschaft“ ausgezeichnet. Dazu zählt seit Sonntag die Präsidentin des Hessischen Landtags, Astrid Wallmann (CDU). Erste Trägerin der Auszeichnung war die 2019 gestorbene, langjährige Stadtverordnetenvorsteherin von Wiesbaden, Angelika Thiels. Die Formulierung ist ein Zitat aus der Shabbat-Liturgie, wie Gemeindevorstand Jacob Gutmark zu Beginn der Feierstunde in der Synagoge erläuterte. Zuvor hatte er Amtsträger als Gäste begrüßt, darunter der hessische Finanzminister Alexander Lorz, Landwirtschaftsminister Ingmar Jung und Uwe Becker, Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung (alle CDU).
Die Laudatio hielt Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen. In der Theorie gebe es gewiss eine Mehrheit gegen Judenhass und Antisemitismus. In der Praxis schweige das Gros dann schon wieder kurz nach von diesem Hass getriebenen Taten. Auch nach dem Überfall von Hamas-Terroristen am 7. Oktober 2023 sei die anfängliche Empathie für die Opfer, die Geiseln und ihre Familien auch in Deutschland schnell wieder verschwunden. Bei dem Terrorüberfall wurden mehr als 1400 Menschen unmittelbar getötet und rund 240 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Oft werde nicht gesehen, dass ein Angriff auf Israel auch bedeute, dass das einzige Refugium in Gefahr sei, das Menschen jüdischen Glaubens hätten, die anderswo nicht als gleichberechtigte Bürger akzeptiert und bedroht würden.
„An der Seite Israels in schwieriger Zeit“
Astrid Wallmann habe dagegen immer solidarisch an der Seite der Menschen jüdischen Glaubens und an der Seite Israels gestanden. So habe sie die Flagge Israels weiter vor dem Landtag wehen lassen, als die erste Welle der Solidarität wieder abgeebbt sei. Auch als Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Rüstungslieferungen an Israel unterbrochen habe, sei es dabei geblieben. Tatsächlich hatte Merz im August 2025 die Lieferungen von Rüstungsgütern kurzzeitig gestoppt, die im Krieg im Gazastreifen zum Einsatz hätten kommen können. Merz begründete diesen Schritt mit der Entscheidung des israelischen Kriegskabinetts, die Offensive im Gazastreifen auszuweiten. Das Max-Planck-Institut für Demographie-Forschung in Rostock hatte 2025 die Zahl der Toten in Gaza auf rund 100.000 geschätzt. Das von der Hamas kontrollierte Gesundheitsministerium sprach von 71.000 bestätigten Toten. Die UN hatte mehrfach vor einer Eskalation gewarnt.
Wallmann sagte in ihrer Dankesrede, sie fühle sich überaus geehrt, erkenne bei sich aber eigentlich keine besonderen Verdienste. Vielmehr seien ihr als Kind von den Eltern entsprechende Werte vermittelt worden. Daher sei es für sie selbstverständlich, sich an die Seite von bedrohten Menschen zu stellen. In der Erziehung liegt für Wallmann denn auch der Schlüssel im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus. „Wir müssen bei den Kindern ansetzen“, sagte sie.
