Wer an einer
deutschen Universität im Jahr 2026 Studierende der Geschichtswissenschaft nach
dem Genozid an den Armeniern im Ersten Weltkrieg fragt, erntet meist ausweichende
Blicke und betretenes Schweigen. Auf die Nachfrage, wer überhaupt schon einmal davon
gehört hat, melden sich unter 20 mit etwas Glück vielleicht zwei, manchmal
auch gar niemand. So ist es mir zuletzt in allen Lehrveranstaltungen ergangen,
die sich nicht ausdrücklich diesem sträflich vernachlässigten Thema widmeten.
Dabei handelt es sich um ein Ereignis, dessen Bedeutung weit über die türkische
Geschichte und die der damals verfolgten osmanischen Christengemeinschaften
hinausreicht.