
Ohne Strom läuft nichts. Er ist der unsichtbare Herzschlag, der die Wirtschaft antreibt und den Alltag der gesamten Menschheit am Laufen hält. Der Bedarf muss jederzeit gedeckt sein und oftmals über weite Entfernungen transportiert werden. Dazu braucht es Kabel und die Anschlüsse an die Netze. Hier kommt die börsennotierte Pfisterer SE mit Sitz in Winterbach bei Stuttgart ins Spiel, die Komponenten für Energieinfrastrukturen entwickelt, die an entscheidenden Schnittstellen eingesetzt werden.
Ein wesentlicher Schritt im Geschäftsjahr 2025 ist der Gang an die Börse gewesen. Pfisterer zählt damit zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die diesen Schritt in einem zurückhaltenden Marktumfeld gewagt hatten. Die Aktien werden im Bereich für kleine und mittelgroße Unternehmen in Frankfurt gehandelt.
Das Papier legte seit der Erstnotierung immer wieder zu. In den vergangenen sechs Monaten betrug das Plus mehr als ein Drittel. Am Freitag notierte der Aktienkurs bei etwas mehr als 100 Euro. An schwächeren Tagen oder in Konsolidierungsphasen könnte das Papier für spekulative Langfristinvestoren interessant werden. Die Mehrheit der von der Finanzagentur Bloomberg befragten Analysten empfahl einen Kauf der Aktie und rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem Kurs zwischen 95 und 135 Euro.
Stromnetze müssen erneuert werden
LBBW-Analyst Volker Stoll empfahl ein Halten und gab zuletzt 110 Euro als Kursziel an. Der Ausbau der Energieinfrastruktur sei ein bedeutender Wachstumstreiber. „Zu berücksichtigen ist aber auch, dass die Netze in Europa und in den USA wegen ihres hohen Durchschnittsalters modernisiert werden“, sagt er. Pfisterer werde schnell unabhängiger vom europäischen Markt. Pfisterer wachse unter anderem auch in Regionen, denen gerne eine hohe Preissensitivität unterstellt wird.
Das Unternehmen profitiert eigenen Angaben zufolge aktuell unter anderem vom KI-Boom und den dafür notwendigen Rechenzentren. Pfisterer-Technikvorstand Konstantin Kurfiss sagte, der Ausbau von Rechenzentren vor allem in den USA erhöhe den Investitionsbedarf in Stromnetze und Energieverteilung erheblich. Das Unternehmen profitiere davon über Lösungen in der Mittel- und Niederspannung sowie über Verbindungs- und Anschlusstechnik für kritische Energieinfrastruktur.
Insbesondere das Niederspannungssegment gewinne von einer hohen Anwendungsbreite, technologischen Spezialisierung sowie hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Sicherheit. „Zudem handelt es sich hierbei häufig um projektkritische Komponenten mit hoher technischer Wertschöpfung und vergleichsweise geringem Anteil an den Gesamtkosten der jeweiligen Infrastrukturprojekte.“ 2025 erzielte der Mittelständler einen Umsatz von 449,8 Millionen Euro, was einem Plus von 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebitda) verbesserte sich überproportional um 24 Prozent auf 80,1 Millionen Euro, wodurch die entsprechende Ebitda-Marge von 16,9 auf 17,8 Prozent stieg. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 51,7 Millionen Euro, ein Plus von 53,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Karl-Heinz Pfisterer bleibt beteiligt
Für das vergangene Jahr soll eine leicht erhöhte Dividende in Höhe von 85 Cent je Anteilsschein ausgeschüttet werden. Das frühere Familienunternehmen beschäftigt inzwischen fast 1500 Personen und hat einen Streubesitz von 38,5 Prozent. Familienunternehmer Karl-Heinz Pfisterer hat zwar schon länger die operative Führung abgegeben, hält jedoch auch nach dem Börsengang noch einen Anteil von 46,2 Prozent. Die Marktkapitalisierung betrug zuletzt etwas mehr als 1,8 Milliarden Euro. Als vergleichbarer Wettbewerber der Schwaben gilt das italienische Unternehmen Prysmian.
Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 26,7 Prozent auf 126,9 Millionen Euro. Das bereinigte Ebitda legte um 32,1 Prozent auf 27,7 Millionen Euro zu. Die Marge erhöhte sich leicht auf 21,8 Prozent. Der Vorstand bekräftigte zugleich seine Prognose. Für 2026 wird ein Umsatzanstieg von mindestens zwölf Prozent erwartet. Auch langfristig formuliert das Unternehmen ambitionierte Ziele: Bis 2030 sollen die Erlöse auf 800 bis 900 Millionen Euro steigen.
Beteiligt an größeren Offshore-Windparks im deutschen Markt
Der Irankonflikt macht dem Mittelständler zunächst keine Sorgen. Kurfiss sagte aber, dass sie die geopolitischen Spannungen und Konflikte im Nahen Osten aufmerksam beobachten: „Wichtige Märkte in der Region, insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, investieren weiterhin in den Ausbau und die Modernisierung ihrer Energieinfrastruktur.“
Die schwierige Weltlage hatte das Unternehmen auch nicht von Zukäufen abgehalten. So stärkte es mit der Übernahme von Power CSL sein Engagement im Bereich Verbindungslösungen bei Unterwasserkabeln und im Bereich der Windenergie auf hoher See. Im ersten Quartal erhielt das Unternehmen den Zuschlag für die Lieferung elektrischer Anschlusstechnik für die Offshore-Windparks Nordlicht I und Nordlicht II in Deutschland. Die Projekte zählen zu den größeren aktuellen Offshore-Vorhaben im deutschen Markt.
Im Heimatmarkt sehen die Schwaben auch dank des Sondervermögens und steigender Investitionen in die Netzinfrastruktur ihre Geschäfte gesichert. Kurfiss sagte, man profitiere sowohl von Investitionen in Freileitungsnetze als auch in unterirdische Kabel- und Verbindungslösungen. „Da solche Infrastrukturprojekte typischerweise mit zeitlichem Vorlauf umgesetzt werden, erwarten wir die daraus resultierenden Effekte eher mittel- bis langfristig“, sagt er. Gleichzeitig beobachte das Unternehmen weiterhin eine hohe Nachfrage im Bereich Hochspannung und Netzinfrastruktur.
