
Das Weiße Haus ist nicht wiederzuerkennen: Erste Pressebilder zeigen, wie dort gerade eine Arena entsteht, in der am 14. Juni, zum 80. Geburtstag von Donald Trump, eine große Kampfsportveranstaltung mit 5000 Zuschauern stattfinden soll. Trump ist großer Fan der brutalen Mixed-Martial-Arts-Kämpfe der Kampfsportliga Ultimate Fighting Championship. Zum Geburtstag des Präsidenten und Amerikas wird also programmatisch Blut spritzen vor dem Weißen Haus.
Dessen klassizistische Architektur mit der harmonischen Tempelfront stand traditionell für den Anspruch Amerikas, sich an den humanistischen Werten der Antike und Renaissance zu orientieren. Die für den Geburtstag des Princeps aufgestellte Käfigkampf-Arena ist ein sprechendes Bild für den Untergang der alten westlichen Welt und für ein neues Amerika, das sich an einer dunkleren und gewalttätigeren Antike orientiert: Trump feiert Geburtstag, wie es die römischen Kaiser taten – mit Gladiatorenkämpfen.
Augustus ließ an seinem Geburtstag wilde Tiere zerfetzen, für Kaiser Claudius waren Blut und Kämpfe die schönsten Geburtstagsgaben. Es fällt auf, dass Amerikas neue Machthaber einen Fetisch für das alte Rom haben. Elon Musk gab zu Protokoll, er denke „jeden Tag an die Antike“, Mark Zuckerberg trägt ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Aut Zuck aut Nihil“, was sich auf das antike Motto „Aut Caesar, aut nihil“ bezieht: „Entweder Cäsar oder nichts.“ Beide hatten davon gesprochen, im Kolosseum in Rom einen Zweikampf austragen zu wollen, aus dem dann nichts wurde. Aber jetzt baut sich Trump sein eigenes Kolosseum, eine gute Bühne gäbe es also, und wenn sich die Silicon-Valley-Cäsaren darin gegenseitig zerlegen wollen, wäre es sicherlich kein Schaden für die Welt.
