
Einen kräftigen Aufschwung der Nachfrage bei privaten Käufern von Elektroautos beobachtet die HUK-Versicherung in ihrem E-Auto-Barometer für das erste Quartal 2026. In diesem Zeitraum hätten 7,5 Prozent der Autofahrer beim Wechsel des Fahrzeugs auch die Antriebsart gewechselt und seien auf ein rein batterieelektrisches Auto umgestiegen. Vergleiche man allein die Daten für den Fahrzeugwechsel im Monat März 2026, ergebe sich ein noch größerer Umschwung: Im laufenden Jahr seien im März 8,9 Prozent der Autofahrer mit Fahrzeugwechsel auf batterieelektrischen Antrieb umgestiegen. Im Durchschnitt des Jahres 2025 seien es nur 5,5 Prozent gewesen.
Die positiven Daten werden begründet mit dem E-Auto-Bonus bis 6000 Euro für Kauf oder Leasing eines rein batterieelektrischen Autos, der seit Jahresbeginn versprochen wurde und seit dem 19. Mai auch beantragt werden kann. Bis Ende 2025 hatte gerade das E-Auto-Barometer immer wieder konstatiert, wie gering eigentlich das Interesse der privaten Autokäufer für den rein batterieelektrischen Antrieb war. Dokumentiert wurde auch der Absturz der Nachfrage nach dem unerwarteten Aus der Förderung durch den damaligen Wirtschaftsminister Robert Habeck Mitte Dezember 2023 oder auch der Umstand, dass bisher die weit überwiegende Mehrheit der Fahrer von E-Autos in Einfamilienhäusern wohnt. Als Deutschlands größte Versicherung für private Autohalter kann die HUK dazu die eigenen Kundendaten anonymisieren und auswerten. Die Daten zum Wechsel der Antriebsart berücksichtigen dabei auch den Umstieg auf ein gebrauchtes Elektroauto.
Jüngere Fahrer finden nun billigere E-Autos
Dabei überrascht nun, dass einige Gruppen von Autofahrern, die sich bisher eher zurückhaltend gegenüber dem Wechsel zum rein elektrischen Antrieb zeigten, nunmehr deutlich mehr Interesse zeigten. Von den jüngeren Autofahrern im Alter von weniger als 40 Jahren wurde bisher berichtet, dass sie Interesse am Wechsel hätten, aber keine Autos mit geeigneten günstigeren Preisen fänden. Nun gibt es ein deutlich größeres Angebot an erschwinglicheren Elektroautos, und das hat offenbar Folgen für die jüngeren Autofahrer: Während im Alter unter 40 Jahren im Durchschnitt des Jahres 2025 nur 4,0 Prozent zum rein elektrischen Antrieb wechselten, waren es im März 2026 dann 7,8 Prozent.
Deutlich gesteigert zeigte sich auch das Interesse von Autofahrern, die nicht über eine eigene Garage oder einen eigenen Carport verfügen und damit keine eigene Wallbox zum Laden von Elektroautos einrichten können. In dieser Gruppe wechselten im gesamten Jahr 2025 noch 3,6 Prozent zum Elektroantrieb, im März dieses Jahres dann 6,3 Prozent. Ebenso wenig wie Autofahrer ohne eigene Garage können in der Regel Mieter die Möglichkeit nutzen, ein Elektroauto an einer Wallbox zum Preis von Haushaltsstrom zu laden, doch auch unter ihnen ist das Interesse am rein elektrischen Antrieb gestiegen, von 2,2 Prozent, die 2025 auf Elektroantrieb wechselten, auf 4,1 Prozent im März 2026.
Der E-Auto-Anteil bei Dienstwagenfahrern bleibt deutlich höher
Die Erhebungen der HUK zeigen dennoch, wie groß die Kluft ist zwischen dem – von der HUK analysierten – Anteil des rein elektrischen Antriebs unter privaten Autonutzern einerseits und andererseits an Geschäfts- und Dienstwagen ist. Diese gewerblichen Zulassungen machten im März 2026 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes 65 Prozent aller Neuzulassungen aus. Unter allen neu zugelassenen Autos, einschließlich derjenigen mit gewerblichem Halter, erreichten die rein batterieelektrischen Autos im März 2026 einen Anteil von 24 Prozent. Das liegt offensichtlich daran, dass die Förderung für Dienstwagen mit rein elektrischem Antrieb weit größer ist als die direkte Unterstützung des E-Auto-Erwerbs durch Privatkäufer.
Denn bei Dienstwagenfahrern wird der geldwerte Vorteil für die private Nutzung bei Elektroantrieb nur zu einem Viertel angerechnet. Bei einem Auto mit Listenpreis von 50.000 Euro und Verbrennerantrieb muss ein Arbeitnehmer mit 22 Kilometern Arbeitsweg jährlich rund 20 Prozent des Autowertes versteuern, zum Einkommen werden in der Steuererklärung jährlich 10.000 Euro hinzugerechnet. Für den Fahrer eines rein elektrischen Autos werden dagegen nur 25 Prozent davon, also 2500 Euro, als geldwerter Vorteil angerechnet.
Für die privaten Autohalter ergab eine Umfrage im Auftrag der HUK unter 4000 Personen eine positive Einschätzung der neuen E-Auto-Förderung der Bundesregierung. Unter derzeitigen E-Auto-Besitzern antworteten 53 Prozent, sie würden nun wahrscheinlich früher als geplant ein Elektroauto anschaffen. Von den Eltern minderjähriger Kinder meinten 32 Prozent, dass sie früher als geplant ein rein elektrisches Auto anschaffen wollten oder erstmals über die Anschaffung eines E-Autos nachdächten.
Der Anteil dieser beiden Antworten unter den Befragten im Alter von unter 40 Jahren lag bei 31 Prozent. Von den Befragten, die zwar kein Elektroauto besitzen, aber Erfahrungen mit Elektroautos gemacht haben, stimmten 22 Prozent diesen beiden Antworten zu. Im Durchschnitt der Führerscheininhaber waren es jedoch nur 18 Prozent, dagegen 12 Prozent der Fahrer im Alter von mehr als 40 Jahren, 12 Prozent derjenigen, die nie Erfahrungen mit Elektroautos gesammelt haben, sowie 14 Prozent der Befragten, die keine minderjährigen Kinder haben und daher auch nicht eine für die Kinder erhöhte Förderung für den Erwerb von E-Autos erhalten können.
