Hallo Waldtraut, dürfen wir ein Maskottchen einfach duzen?
Ich habe damit kein Problem, wir befinden uns ja schließlich auf einem Volksfest.
Auf dem Wäldchestag bist du in diesem Jahr erstmals als Maskottchen durch den Wald flaniert, nachdem du zuvor nur als Zeichnung auf Flugblättern und Plakaten zu sehen warst. Wie war dein erster Frankfurter Nationalfeiertag?
Es war zwar ganz schön anstrengend, aber vor allem waren es wunderbare Tage bei bestem Sonnenschein und mit vielen glücklichen Menschen, die ganz oft mit mir gekuschelt haben – trotz der Hitze.
Warum kuscheln die Menschen mit dir, und ist dir das recht?
Das ist mir recht. Ich bin ja dafür da, den Menschen eine Freude zu bereiten. Deshalb lade ich dazu ein, mich zu umarmen, mir „High Fives“ zu geben und Selfies mit mir zu machen. Ich habe damit gar keine Probleme.
Wie motivierst du dich, den ganzen Tag gut gelaunt zu sein?
Ich bin die Waldmeisterin und bringe den Menschen den Wald nahe. Diese Aufgabe erfüllt mich. Es geht uns beim Wäldchestag einerseits darum, das einmalige Kulturgut dieses einzigartigen Festes mitten im Stadtwald zu bewahren. Andererseits mahne ich dazu, achtsam mit dem Wald umzugehen, ich weise auch darauf hin, dass man beispielsweise mit Kippen sehr sorgsam umgeht und sie nicht einfach auf den Boden wirft. Selbst habe ich auch niemanden gesehen, der das achtlos getan hätte. Ich will die Liebe zum Wäldchestag als Volksfest und Vergnügen mit der Botschaft verbinden, dass wir Frankfurter gut mit dem Wald umgehen.
Darf man als Waldtraut eigentlich kostenlos das Riesenrad und andere Fahrgeschäfte nutzen?
Ja, die Schaustellerinnen und Schausteller haben mich direkt ins Herz geschlossen und förmlich dazu gedrängt, alles auszuprobieren. Aber das ist ein bisschen schwierig, da Sitzen für eine Biene nicht so ganz leicht ist. Ich habe es aber auf jeden Fall versucht und mich in den Break Dancer gezwängt. Irgendwie ging das, aber Riesenrad ist für meinen Körperbau doch irgendwie passender. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass man sogar Speisen nach mir benannt hat wie einen Langos mit Honig, eine Schokobiene oder Pommes mit grüner Soße. Ich habe alles probiert, das war wirklich lecker. Meinen eigenen Likör habe ich auch: den Waldmeisterin Waldtraut.

Die Tourismus- und Congressgesellschaft Frankfurt (TCF) als Veranstalter des Wäldchestags und dein Arbeitgeber hat Erfahrung mit Maskottchen. Seit einigen Jahren ist Bembli bei der Dippemess unterwegs. Hast du dir vorab Tipps geholt?
Vor dem Wäldchestag habe ich mich natürlich mit Bembli ausgetauscht. Das ist wirklich ein ganz lieber Maskottchenkollege. Er hat mir vermittelt, wie man am besten mit Kindern in Kontakt tritt und wie man sich präsentiert.
Und wie präsentiert sich ein Maskottchen?
Bembli hat mir geraten, dass ich einfach ich selbst sein soll, authentisch als Waldmeisterin und Biene. Das war ein guter Tipp. Wenn man sich nicht verstellt, kommt man am besten rüber.
Bembli hat ja einen Überblick über die Maskottchen der Stadt, weil er bei der Dippemess immer ein Treffen von mehr als einem Dutzend Frankfurter Maskottchen organisiert. Hat er dir schon andere Maskottchen vorgestellt?
Ja, sogar schon einige! Trevor von den Eishockey-Löwen finde ich ganz cool, auch Dunking Kong von den Skyliners. Das Nordwestzentrum mit Nordi oder die FES mit Fessi sind aber auch nett. Eigentlich mag ich alle.
Die Freude daran, Menschen glücklich zu machen. Es ist unfassbar schön, zu sehen, wie leicht es uns Maskottchen fällt, Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wohlgemerkt nicht nur Kindern. Ich habe mich total gefreut, dass auf dem Wäldchestag schon ganz viele meinen Namen kannten und nach mir riefen. Und darf ich noch eine Anekdote erzählen?
Am Samstagabend hat mich ein erwachsener Mann angesprochen, mir zugeflüstert, dass er einen ganz doofen Tag hatte, und mich gebeten, dass ich ihn mal fest drücken soll. Das habe ich gemacht, und der Mann sagte dann, dass es ihm direkt viel besser gehe. Das hat mich bewegt.

Ein Maskottchen fällt in Frankfurt aus dem Rahmen: Adler Attila von der Eintracht. Würdest du auch gerne richtig fliegen können und nicht nur summend durch den Wald laufen?
Nur weil du es nicht gesehen hast, glaubst du, dass ich nicht fliegen kann? Es hilft ja aber nichts, wenn ich ständig in den Bäumen rumfliege. Ich muss ja zu den Menschen, und da ist Laufen praktischer, auch damit die Menschen nicht neidisch werden.
Ich bin in meinem Revier die Waldmeisterin und würde genau schauen, wer sich Zutritt verschaffen würde. Ich bin aber grundsätzlich sehr freundlich. Sollte sich jemand zumuten, zum Wäldchestag trotz großer Hitze im Bienenkostüm zu kommen, dann hätte ich erst einmal großen Respekt und wünsche dem Zweitmaskottchen, dass es auch irgendwo eine Freifahrt geschenkt bekommt. Es sollte aber auf jeden Fall den Maskottchencodex beachten, dass man sich niemals in der Öffentlichkeit entkleiden darf. Das könnte bei Kindern Traumata auslösen.
Auch wenn wir jetzt das Geheimnis lüften: Waldtraut ist nur ein Kostüm, und darunter steckt ein leibhaftiger Mensch. Wie ist es bei 32 Grad unter dem Kostüm?
Es gab Momente, in denen ich mich in meinen Bienenstock zurückgezogen habe für eine Pause. Es ist im Wald aber schon besser auszuhalten als auf einem freien Festplatz. Bembli hat es da bisweilen schwerer. Ich bin zudem auch keine fünf Meter weit gekommen, ohne dass man mir Abkühlung angeboten hat und Getränke.
