Alexia Putellas atmet nochmal tief durch, setzt zum Sprechen an, und muss gleich wieder abbrechen. Noch einmal von vorne. Putellas hat den Anhängern des FC Barcelona etwas mitzuteilen. In dem Video, das sie am Dienstagabend auf Instagram veröffentlicht hat, erinnert sich die zweimalige Weltfußballerin daran, wie sie mit sechs Jahren zum ersten Mal mit ihrem Vater im Camp Nou war. „Damals sah ich im Stadion nur Männer spielen, und mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass eines Tages genau dort mehr als 90.000 Menschen meinen Namen skandieren würden.“
14 Jahre habe sie alles für den Verein gegeben, sagt Putellas, aber nun sei es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Das Spiel gegen Real Sociedad am Mittwoch werde ihr letztes als Spielerin des FC Barcelona sein. „Ich habe immer gesagt, dass man dieses Trikot nicht halbherzig verteidigen kann. Und ich gebe zu, dass ich mich verausgabt habe.“ Putellas wird ihren auslaufenden Vertrag nicht verlängern, nach 507 Spielen, 232 Toren und 38 Titeln verlässt die „Königin“, wie sie von der heimischen Presse verehrt wird, ihren Herzensverein.
Alexia Putellas und der FC Barcelona, das war eine Liebesgeschichte, wie sie der Klub nur selten erlebt – und noch seltener mit einer Frau im Mittelpunkt. „Ich konnte mir Barça ohne Lionel Messi kaum vorstellen“, hat Claudia Pina einmal über Putellasʼ Stellenwert für den Verein gesagt, „und sie bedeutet für die Frauenmannschaft dasselbe.“ Aber schon die gesamte Saison hatte sich abgezeichnet, dass die 32-Jährige nach der Saison eine neue Herausforderung suchen könnte.
Beispiellose Erfolgsgeschichte
Putellas hat mit dem FC Barcelona alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Das Niveau ist so hoch, dass Trainingseinheiten die Spielerinnen oft mehr fordern als Pflichtspiele gegen schwächere Gegner. Und die englische Women’s Super League (WSL) lockt mit Gehältern, die der Verein angesichts des enormen Schuldenbergs der Männerabteilung nicht zahlen kann. Die Barça-Frauen tragen sich zwar selbst und bescheren dem Verein sogar Einnahmen, aber weil La Liga die Financial-Fairplay-Regeln auf alle Abteilungen anwendet, leidet auch sie unter der angespannten Situation. Putellas betont zwar, noch keine Entscheidung über ihre Zukunft getroffen zu haben, aber von spanischen Medien wird sie bereits mit einem Wechsel zu den London City Lionesses in Verbindung gebracht.
Der Aufstieg des FC Barcelona zu einer der stärksten Mannschaften Europas ist eng mit dem Namen Alexia Putellas verknüpft. 2021 und 2022 wurde sie zur Weltfußballerin gewählt, mit dem Klub gewann sie zehnmal die spanische Meisterschaft und den Pokal, und am Samstag triumphierte Barça zum vierten Mal nach 2021, 2023 und 2024 in der Champions League. „Wir haben die Frauenmannschaft weiter gebracht, als wir es uns jemals hätten vorstellen können“, sagt Putellas: „Am Anfang wurde der Beruf der Fußballerin noch nicht einmal als solcher anerkannt. Und jetzt empfinde ich es als Privileg, Teil dieses Wandels gewesen zu sein.“
Der Verein würdigte Putellas in seiner Mitteilung als „eine Spielerin, die dazu beigetragen hat, den Frauenfußball weltweit voranzubringen“. Sie hinterlasse in Barcelona ein „Vermächtnis“ und sei „zu einer Vereinsikone und einem Vorbild im Weltfußball geworden“. Ihr Abschied solle kein „trauriger Moment“ sein: „Dies ist nur ein Kapitel, das zu Ende geht. Wir werden uns wiedersehen“, sagt Putellas – und dann gibt sie die Kapitänsbinde an ihre Mitspielerin Patri Guijarro weiter.
