Mein Sohn, 16, redet nicht mehr. Zumindest nicht mit mir. Das ärgert mich. Dabei war ich es doch, die jahrelang mit ihm Sprechen geübt hat, jedes Wort, das der Kleine von sich gab, haben wir bejubelt. Später verhandelte mein Sohn mit mir durchaus komplexe Sachverhalte. Nicht nur das, er erzählte uns alles, was ihm durch den Kopf ging, über Piraten, das Weltall oder Freundschaft. Vorbei.
Stattdessen bekomme ich nun Ansagen, kurz, knapp, in chefigem Ton. Das ist eine Herausforderung für mich. Nein, schlimmer, eigentlich gibt es niemanden, der so mit mir sprechen darf. Wissen Jugendliche denn nicht, dass uns Eltern kaum etwas so wichtig ist, wie gut im Gespräch miteinander zu sein und zu bleiben? Ist das Verweigern einer Unterhaltung kalkuliert? Abwehr, sich auf das Gegenüber einzulassen und sich beim Abwägen von Argumenten nach und nach Meinungen zu bilden? »Nein, hab ich dir doch schon gesagt.« Ende der Debatte.
