
Der neue Stellantis-Konzernchef Antonio Filosa hat mit der Präsentation seiner Zukunftsstrategie am Aktienmarkt keinen großen Enthusiasmus ausgelöst. Zu nüchtern und zu kleinteilig ist sein Programm im Vergleich zu charismatischen Vorgängern wie dem ehemaligen Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne oder dem ersten Mann an der Spitze des Stellantis-Konzerns, in dem vor fünf Jahren Fiat-Chrysler und Peugeot, Citroën und Opel vereinigt wurden.
Ein Renditeziel auf Kosten der Qualität
Nun will Stellantis unter Filosa in fünf Jahren wieder auf 190 Milliarden Euro Umsatz kommen und auf eine operative Rendite von sieben Prozent. Die strategischen Fehler von Tavares sind dabei eine Last und eine Chance: Unter dem ersten Konzernchef waren Sparen und Rendite oberste Gebote. Das ging auf Kosten der Qualität und etwa der Haltbarkeit von Motoren und Elektrobatterien. Zudem wurde das Angebot an Modellen und Motorvarianten immer weiter eingeschränkt.
Viele neue Kooperationsprojekte sollen helfen
Nun sieht Stellantis eine neue Chance darin, die zuletzt unbeachteten Lücken in großen Marktsegmenten mit neuen Modellen zu füllen. Damit das schneller geht und damit Stellantis auch Zugang zu billigen chinesischen Batterien bekommt, gibt es eine Zusammenarbeit mit zwei chinesischen Partnern, daneben eine Kooperation für Indien und Nordamerika mit dem indischen Tata-Konzern und seinem Ableger Jaguar Land Rover. Ansonsten sollen künftig etwa die neuen europäischen Modelle auf einer Einheitsplattform stehen, die vom Kleinwagen bis zum Mittelklassemodell reicht – eine Idee, die Volkswagen für Verbrennermodelle schon 2012 eingeführt hat. Besondere Aufmerksamkeit wird Plattformen mit elektronischer Software gewidmet. Besonders viel Geld fließt nach Nordamerika, wo man zu lange von zu wenigen immer älteren Modellen gelebt hat.
Glanz und Enthusiasmus durch Hingucker in Nischensegmenten wird gar nicht erst versprochen. Am Ende hängt aber alles davon ab, ob Stellantis – trotz reduzierter Zahlen von Ingenieuren etwa in Rüsselsheim – doch noch eine neue Modellgeneration präsentieren wird, die einen „Haben-will“-Reflex auslöst.
