Sie werden ihm eine Statue errichten. Die kürzlich ausgebaute Nordtribüne des Stadions trägt schon jetzt seinen Namen. Und so richtig weg, das sagt er selbst, werde er niemals sein. Pep Guardiola hat Manchester City nach zehn sensationell erfolgreichen Jahren verlassen.
Das letzte Spiel als Trainer des Premier-League-Klubs verlor der Spanier, 1:2 gegen Aston Villa. Nebensache, schon vor Anpfiff. Im Mittelpunkt stand Guardiola und die Würdigung seines Schaffens. Sechs Meisterschaften, drei Pokalsiege, ein Triumph in der Champions League: 17 Titel hat City mit ihm gewonnen. „So viele Erinnerungen“, sagte Guardiola, der auch vor den Augen seines 95 Jahre alten Vaters mehrmals mit den Tränen rang. „Vergesst die Titel. Es geht um die Erinnerungen.“
Dabei hätte er auch weitermachen sollen. Sein Vertrag endet erst in einem Jahr. City hätte ihn liebend gern behalten. „Hätte ich die Energie, würde ich bleiben“, sagte der 55-Jährige am Sonntag, nicht zum ersten Mal. „Eine neue Person muss den Job machen.“ Es wird Enzo Maresca sein, der Guardiola nicht nur verblüffend ähnlich sieht, sondern ihm auch taktisch nahesteht.
Guardiola hat einen Kulturwandel vollzogen
Guardiola übernimmt derweil eine Botschafterrolle innerhalb der City Football Group, zu der Klubs wie der gerade in Spanien abgestiegene FC Girona, der New York City FC und Melbourne City gehören. Trainer will er „für eine Weile“ nicht mehr sein, was bedeutet, dass nun ab sofort spekuliert wird, was für ihn noch kommt.
Bestimmt würde dann auch England wieder um seine Dienste werben. Guardiola hat hier innerhalb eines Jahrzehnts einen fußballerischen Kulturwandel vollzogen. Als der Spanier 2016 nach Manchester kam, galt die englische Liga zwar als hart und schnell, dabei aber taktisch unterentwickelt.

Bei City hat Guardiola eine strukturelle Modernisierung angestoßen, die bis in die Niederungen der Ligenpyramide durchgesickert ist. Dominanz durch Ballbesitz, ein kontrollierter Spielaufbau und einstudierte Passfolgen vom Torwart bis zum Mittelstürmer sind dabei nur die sichtbarsten Ausprägungen.
Zu oft hatte er sich selbst im Weg gestanden
Gegner hatten dem lange Zeit wenig entgegenzusetzen. Zwischen 2021 und 2024 wurde City viermal nacheinander Meister. Das war zuvor keinem anderen Verein in England jemals gelungen. Als Trainer des FC Liverpool entwickelte Jürgen Klopp den aggressiven, geradlinigen „Heavy-Metal-Fußball“ als Antithese zu Guardiolas himmelblauem Streichorchester. Oft lieferten sich Guardiolas und Klopps Mannschaften packende Duelle, etwa das legendär gewordene 4:3 in Anfield im Januar 2018 – es war Citys erste Niederlage jener Saison.
Dadurch entwickelte sich wiederum auch Guardiola weiter. Er ließ mehr Pragmatismus zu, der bullige Stoßstürmer Erling Haaland gilt heute als Symbol einer taktischen Wandlung hin zu mehr Direktheit. Guardiola 2.0.

In seinem Streben nach Perfektion hatte sich der Trainer bis dahin oft selbst im Weg gestanden. In Erinnerung bleibt das Ausscheiden aus der Champions League in der Saison 2016/17. Das Hinspiel im Achtelfinale gegen AS Monaco hatte City 5:3 gewonnen, das Rückspiel verloren sie 1:3. Es sei sein Fehler gewesen, dass er das Team nicht von seinem offensiven Matchplan überzeugen konnte, sagte Guardiola hinterher.
Dass seine Mannschaft den Vorsprung aus dem Hinspiel nicht verteidigen konnte, wurde ihm in England als strategisches Versagen angelastet. Der ewige Tüftler hatte sich verzockt. Erst 2023 – sechs Anläufe später – gelang ihm schließlich der Sieg in Europas Spitzenwettbewerb. Das Triple aus Meisterschaft, FA Cup und Champions League ist sein wohl größter Erfolg.
115, je nach Zählweise 130 angebliche Regelverstöße
Ein Erfolg, der bis auf Weiteres jedoch mit einer Fußnote versehen ist, deren Tragweite sich gegenwärtig kaum abschätzen lässt. Die Premier League wirft Manchester City vor, jahrelang gegen die finanziellen Spielregeln des Wettbewerbs verstoßen und die Kontrolleure darüber getäuscht zu haben.
Es ist ein umfassender Katalog von angeblichen Regelverstößen – 115 an der Zahl, je nach Zählweise 130 –, die zum Teil bis ins Jahr 2009 zurückreichen, aber eben auch in Guardiolas Zeit in Manchester hinein wirken.

Sie lassen sich in vier Felder unterteilen. So soll der Klub seine Finanzen nicht wahrheitsgetreu dargelegt, Details über Gehälter von Spielern und Trainern verheimlicht, die finanziellen Wettbewerbsregeln gebrochen und bei entsprechenden Untersuchungen nicht kooperiert haben. Seit 2008 gehört Manchester City Scheich Mansour, einem Mitglied der Herrscherfamilie des Emirats Abu Dhabi, Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate und stellvertretender Ministerpräsident.
Konkret soll City zum Beispiel Millioneneinzahlungen des Eigentümers, die über das in einem bestimmten Zeitraum erlaubte Maß hinausgingen, als angebliche Sponsoreneinnahmen maskiert haben. City bestreitet sämtliche Anschuldigungen. Im Herbst 2024 gab es eine Anhörung, Anfang 2025 sollte es eigentlich eine Entscheidung geben, doch dazu kam es nicht. Seitdem ist es in der Sache seltsam ruhig geworden. Sie ist nicht vom Tisch.
Darauf angesprochen, betont Guardiola stets, er verlasse sich darauf, dass hinter den Kulissen alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Das muss er auch. Andernfalls wird der Ort, an dem sie ihm gerade ein Denkmal setzen, zu dem Ort, an dem seine Reputation einen kaum zu reparierenden Schaden nimmt.
