Seit Beginn des Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang rund 220 Menschen gestorben. Das teilte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus mit. Angesichts von Verzögerungen in der Erkennung des Virus sprach er von einer »Aufholjagd«.
Man fahre Maßnahmen »mit hoher Dringlichkeit« hoch, im Moment sei die Epidemie allerdings »schneller als wir«, sagte Tedros. Es sei wahrscheinlich, dass die Epidemie sich zunächst weiter verschlechtern werde, bevor es Besserungen gebe. Er rief die Nachbarländer der DR Kongo auf, sofort zu handeln. Tedros kündigte an, am Dienstag selbst in die DR Kongo zu reisen.
Laut der WHO gibt es in der DR Kongo, dem Epizentrum des Ausbruchs, mehr als 900 Ebola-Verdachtsfälle. Die Organisation stützt sich dabei auf Zahlen und Daten der Regierungen in den betroffenen Ländern. Im aktuellen Fall wurde das gefährliche Virus erstmals am 15. Mai in der DR Kongo festgestellt.
Zwei weitere bestätigte Ebolafälle in Uganda
Auch im Nachbarland Uganda sind zwei weitere Ebola-Fälle bestätigt worden. Damit steigt die Zahl der festgestellten Infektionen in dem ostafrikanischen Land auf insgesamt sieben. Wie das Gesundheitsministerium des Landes weiter mitteilte, hatten die beiden Infizierten als Mitarbeiter im Gesundheitswesen in einer privaten Einrichtung in der Hauptstadt Kampala gearbeitet. Beide würden nun medizinisch behandelt.
Uganda hatte vergangene Woche den gesamten öffentlichen Verkehr in die DR Kongo eingestellt, nachdem zwei Ebola-Fälle
bestätigt wurden. Beide waren Menschen aus dem Kongo. Drei weitere Fälle wurden am Samstag bestätigt,
darunter ebenfalls eine Kongolesin.
Behandlungszelte in Brand gesetzt
In den vergangenen Tagen wurden bereits mehrmals Behandlungszelte in
Ebola-Zentren in Brand gesetzt, weil Angehörige die Herausgabe der
Leichen mutmaßlicher Ebola-Patienten erreichen wollten. Auch verstorbene
Ebola-Patienten gelten als hochansteckend und müssen unter besonderen
Sicherheitsbedingungen beigesetzt werden.
Laut Richard Lokodu, dem medizinischen Direktor eines Krankenhauses in der Stadt Mongbwalu, flohen am Samstag 18 mutmaßliche Ebolapatienten aus der Einrichtung. Der Vorfall habe sich ereignet, nachdem Unbekannte Zelte der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Brand gesteckt hätten. Am Sonntag seien bei Angriffen auf das Krankenhaus sieben weitere Patienten geflohen.
»Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite«
Ebolafieber ist eine ansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwer einzudämmen, weil es für den seltenen Bundibugyo-Typ bislang weder einen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt. Die unsichere Lage in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu verkompliziere die Eindämmung des Virus weiter, sagte WHO-Direktor Tedros. Die vom Ausbruch betroffene Region im Osten der DR Kongo ist geprägt von bewaffneten Konflikten.
Die WHO hatte wegen der Epidemie vor einer Woche eine »gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite« ausgerufen. Das ist die zweithöchste Alarmstufe der Organisation. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Africa CDC) rief kurz darauf wegen des »hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung« für den gesamten Kontinent den Notstand aus.
Am Samstag sagte der Präsident der AfricaCDC, Jean Kaseya, dass der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda sich auf zehn weitere Länder Zentralafrikas auszuweiten drohe: den Südsudan, Ruanda, Kenia, Tansania, Äthiopien, den Kongo, Burundi, Angola, die Zentralafrikanische Republik und Sambia.
