
Der Comedian Oliver Polak ist ein großer Rockmusik-Fan. Seine besondere Liebe gilt neben der norwegischen Band Motorpsycho den amerikanischen Metal-Giganten Metallica. Und denen durfte er am Pfingstwochenende nicht nur nah sein, sondern sogar die Bühne mit ihnen teilen. Zwar nicht die gewaltige 360-Grad-Bühne in der Mitte des Waldstadions, wo Metallica am Freitag und am Sonntag zwei ausverkaufte Konzerte gaben, aber immerhin jene im großen Saal des Clubs Zoom im Stadtteil Fechenheim.
Dort waren am Samstag Metallica-Gitarrist Kirk Hammett und überraschenderweise auch Bassist Robert Trujillo zu Gast. Die beiden hatten bereits am Freitagabend die Eintracht-Fans unter den rund 60.000 Besuchern im Stadion in Freudentaumel versetzt und das restliche Publikum zumindest gehörig überrascht, als sie inmitten des Konzerts gemeinsam die Hymne „Schwarz-weiß wie Schnee“ der Frankfurter Thrash-Metal-Haudegen Tankard anstimmten.
Derlei Regionalismen unterstreichen die Bemühungen des Quartetts, auch nach mehr als hundert Millionen verkaufter Alben eine Nähe zu den als „Family“ bezeichneten Fans zu bewahren, was in gewisser Weise auch für Hammett und Trujillos Auftritt am konzertfreien Abend in einem Club gilt. Gewiss nutzt Hammett solche Veranstaltungen auch fürs Marketing, stellte er doch bei dem von Polak moderierten Auftritt einen im vergangenen Jahr erschienenen, prächtigen und nicht gerade preisgünstigen Bildband über seine berühmte Gitarrensammlung vor. Allerdings müsste ein Musikstar seines Kalibers so etwas vermutlich weder persönlich an einem freien Abend unternehmen noch dazu Kumpel Trujillo an dessen ebenfalls freiem Abend zu einer kleinen Jam-Session hinzuzubitten.
Manch anderer Rockstar wäre wahrscheinlich noch nicht einmal über Nacht in Frankfurt geblieben, was aber dem von der Band avisierten „Frankfurt Takeover“ widersprochen hätte. Denn Metallica lockten nicht nur Zigtausende Menschen ins Stadion, sondern waren durch die Fans auch das ganze lange Wochenende im Stadtbild präsent. Dazu trug nicht zuletzt ein von Donnerstag bis einschließlich Pfingstmontag geöffneter Pop-up-Shop im Gebäude Neue Kaiser an der Kaiserstraße bei. Dort konnten sich Metallica-Anhänger mit T-Shirts, Postern, Spezialpressungen des jüngsten Albums „72 Seasons“ und vielerlei, teils Frankfurt-exklusiven Devotionalien mehr eindecken, selbst wenn sie keine Tickets für die Konzerte bekommen haben sollten.
Dieses in die Innenstädte der Auftrittsorte verlegte Merchandising ist ein schon seit einigen Jahren populärer Trend bei Musikstars, gerade wenn sie sich auf Welttourneen befinden. Die Shops gelten als identitätsstiftend, weil sie wie ein Magnet auf die Fans wirken, für die der Besuch nach langem Anstehen vor dem Eingang sogar ein Ereignis an sich sein kann. Selbst wenn man es weder ins Stadion noch ins Zoom geschafft haben sollte, wäre man doch an der mehrtägigen Übernahme Frankfurts durch eine legendäre Rockband beteiligt gewesen.
