
Mitarbeiter der Commerzbank haben die Hauptversammlung, oft verschrien als Treffen kaltblütiger kapitalistischer Aktionäre, zu einer warmherzigen Veranstaltung gemacht. Für ihr dort gezeigtes Herzblut gegenüber ihrem Arbeitgeber und ihre Angst vor „Kahlschlag“ nach einer Übernahme durch Unicredit gebührt ihnen Respekt.
Der Schulterschluss zwischen Mitarbeitern und dem Vorstand mit Bettina Orlopp an der Spitze zu „Team Yellow“ wirkt eng. Nicht nur mit Protesten gegen den ungeliebten Aufkäufer Unicredit, sondern auch in Jubelrufen für Orlopp und in Reden, die ihr Rückendeckung für weiteren Stellenaufbau gaben, machten Mitarbeiter sich laut- und inhaltsstark bemerkbar.
Sie schätzen an Orlopp, dass sie den seit zehn Jahren laufenden Abbau von inzwischen nahezu jeder zweiten inländischen Stelle erst als Personalchefin und nun als Vorstandsvorsitzende ohne betriebsbedingte Kündigungen, wohl aber mit großzügigen Abfindungs- und Vorruhestandsregeln vollzieht. Orlopp sichert zu, nicht beim Kundenkontakt zu kürzen, sondern dort sogar noch aufzustocken. So sind alle zufrieden: Aktionäre und Mitarbeiter.
Im Kampf gegen Unicredit sind viele Mitarbeiter sogar bereit, Aktien ihres Arbeitgebers zu erwerben. Allerdings halten sie zusammen weniger als ein Prozent, zu wenig, um zu verhindern, dass die schon nahezu 30 Prozent besitzende italienische Bank weitere Aktien bis 50 Prozent aufkauft. Die Mitarbeiter der Commerzbank für sich zu gewinnen, wird Unicredit-Chef Orcel aber sehr schwerfallen.
