Der Bund hat den Verkauf seiner Anteile am Energiekonzern Uniper begonnen. Die Bundesregierung schaltete am Dienstag eine entsprechende Verkaufsanzeige in der Printausgabe der Financial Times, wie ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums mitteilte. Vor rund dreieinhalb Jahren hatte der Staat den Konzern mit einer 13,5 Milliarden Euro schweren Investition vor dem Ruin gerettet und hält seitdem 99 Prozent der Anteile an Uniper.
Die Bundesregierung hatte sich damals verpflichtet, seine Beteiligung an dem Unternehmen bis spätestens 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren. Das Unternehmen hat derzeit einen Börsenwert von 18 Milliarden Euro. Dieser ist laut der Süddeutschen Zeitung jedoch »mit Vorsicht zu genießen«, weil der Aktienkurs deutlich sinken könnte, sobald der Bund seine Anteile zum Verkauf anbietet.
Bund will »strategische Anteile« behalten
Deshalb könnte laut SZ ein außerbörslicher Verkauf favorisiert werden. Ein solcher wird auch nach Angaben des Ministeriumssprechers geprüft. Interessenten sollen sich bis zum 12. Juni schriftlich bei der Bundesregierung melden.
Der Bund will jedoch nicht alle Anteile verkaufen. 25 Prozent plus eine Aktie sollen in Händen des Staates bleiben, der damit »strategische Anteile« für eine Sperrminorität halten möchte, sagte der Sprecher. Zudem werde die Veräußerung einzelner Geschäftsteile von Uniper ausgeschlossen.
Uniper-Chef Michael Lewis sagte, er begrüße die Verkaufspläne. »Wir sind nun stabiler, resilienter und strategisch klarer aufgestellt«, sagte Lewis. Er sehe gute Chancen für das Unternehmen. Für Form und Zeitplan des Verkaufsverfahrens sei aber der Bund zuständig.
Linken-Abgeordneter kritisiert Verkauf
Kritik äußerte derweil der Linken-Abgeordnete Christian Görke. Angesichts der derzeitigen Energiekrise sei ein staatlicher Energiekonzern »zeitgemäßer denn je, um mehr Kontrolle im Energiemarkt zu haben«, sagte Görke. Seiner Auffassung nach solle sich die Bundesregierung darum bemühen, die Anteile an Uniper halten zu dürfen. Angesichts der Frist bis 2028 gebe es »keinen Grund für diese Eile mitten in der Krise.«
Der Bund hatte Uniper nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und der Einstellung der Gaslieferungen aus Russland Ende 2022 mit einer Verstaatlichung und einer Kapitalunterstützung von 13,5 Milliarden Euro vor der Pleite gerettet. Der Konzern beliefert unter anderem mehr als 1.000 Stadtwerke und Industriebetriebe mit Erdgas. Im Jahr 2025 erzielte Uniper einen Nettogewinn von 1,43 Milliarden Euro – weit entfernt von dem massiven Verlust von 19,1 Milliarden Euro aus 2022. Im Zuge der Gewinne zahlte Uniper dem Staat mehrere Milliarden Euro zurück.
