
Oppositionell und dekolonialistisch gesinnte Schriftsteller aus Russland, die meisten von ihnen im Exil lebend, haben die Rechtsschutzorganisation „PEN Sprachen Russlands“ (PEN Languages of Russia) gegründet, um die nichtrussischen Sprachen und Literaturen Russlands stärker sichtbar zu machen. Darunter sind die Tatarin Dinara Rasuleva, die Udmurtin Swetlana Jedygarowa und die Komi Lana Pylajewa. Auch russische Autoren, die den Krieg ihres Landes gegen die Ukraine verurteilen, sind mit dabei: Sergej Lebedew, Darja Serenko, Nikolaj Kononow, Jelena Kostjutschenko oder Alla Gutnikowa sowie Mitstreiter, die aus Sicherheitsgründen namentlich nicht genannt werden können.
Das Projekt ist bereits im vergangenen Herbst vom PEN International anerkannt worden. Sein erklärtes Ziel ist es, literarische Arbeitsgruppen für nichtrussische Sprachen Russlands abzuhalten, Anthologien von awarischen, baschkirischen, tschuwaschischen oder mit Texten in anderen russländischen Sprachen herauszubringen sowie ihre Übersetzungen ins Englische zu organisieren.
Alle Mitglieder der Organisation betonen, dass die Dominanz der russischen Sprache in ihren jeweiligen Ländern der imperialen Geschichte geschuldet und durch Unterdrückung anderer Kulturen erkauft sei. Implizit kritisieren sie so viele namhafte oppositionelle Schriftsteller und Intellektuelle, die die Hegemonie des Russischen, die durch die Unterdrückung angestammter kleinerer Sprachen erkauft wurde, nicht infrage stellen.
Präsidentin von „PEN Sprachen Russlands“ ist Rasuleva, Lebedew amtiert als Stellvertreter. Es wird jedoch betont, dass „PEN-Sprachen-Russlands“ egalitär-kollektiv nach dem Konsensprinzip verwaltet werde. Die Organisation will regelmäßig Berichte über Trends in den diversen nicht russischsprachigen Literaturen in Russland sowie über Zensur und Repressionen gegen sie herausbringen.
