
Apple hat das Unternehmen mit Sitz in Ellwangen nicht mehr für die neue Produktreihe berücksichtigt. Der US-Konzern bezieht seine Batterien nun von asiatischen Herstellern, welche die gleichen Produkte günstiger anbieten. Im Umfeld von VARTA heißt es, dass der Preis für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen sei, in der Qualität sei das schwäbische Unternehmen auf Augenhöhe und besser gewesen.
VARTA stellt die Coin-Power genannten Knopfzellen in der Fabrik im 40 Kilometer vom Stammsitz entfernten Nördlingen her. Für diese hoch spezialisierte Produktionseinheit entfällt nach Angaben des Unternehmens die wirtschaftliche Grundlage. Damit gibt es für rund 350 Arbeitsplätze in Nördlingen keine Zukunft, einige Stellen fallen auch in der Zentrale in Ellwangen weg.
„Entscheidung des Ankerkunden hat einschneidende Konsequenzen“
VARTA will die nächsten Schritte nach eigenen Angaben „verantwortungsvoll und im engen Dialog mit dem Betriebsrat vorbereiten“, die übrigen Geschäftsbereiche in Ellwangen seien von dieser Entwicklung weitgehend unberührt. „Die Entscheidung des Ankerkunden hat für den Standort Nördlingen sehr einschneidende Konsequenzen. Leidtragende sind allen voran unsere Mitarbeitenden vor Ort, die diese Entwicklung nicht zu vertreten haben“, sagt VARTA-Chef Michael Ostermann. „Daher ist es uns umso wichtiger, die nächsten Schritte gemeinsam, fair und verantwortungsvoll zu gestalten.“
VARTA hatte die Coin-Power-Zellen, kleine wiederaufladbare Lithium-Ionen-Knopfzellen, lange Zeit exklusiv für die Ohrhörer von Apple hergestellt. Und schon einmal hatte die Lieferbeziehung VARTA in eine tiefe Krise gestürzt. Auf Druck des amerikanischen Technologiekonzerns hatte der Batteriehersteller von der Ostalb die Produktionskapazität am Standort Nördlingen erheblich ausgeweitet.
Als die Nachfrage sank und Apple seine Lieferkette auf mehrere Zulieferer umstellte, sank die Auslastung der neuen, mit Darlehen finanzierten Anlagen von Herbst 2022 auf deutlich unter 50 Prozent – und Apple wollte von seinen einstigen Abnahmezusagen nichts mehr wissen. Nun stoppt Apple die Bestellungen ganz – und der einzig auf den Kunden Apple ausgerichteten Fabrik bricht die Auslastung vollkommen weg.
Nach der Stabilisierung des Unternehmens im Rahmen des Gesetzes über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) gehörte das baden-württembergische Unternehmen mit seinen noch 3000 Mitarbeitern weiter zu den Lieferanten von Apple. Im Mai 2025 startete die Produktion für die nächste Batteriegeneration der kabellosen Airpods. Vor allem aber sah VARTA-Chef Ostermann die Lithium-Ionen-Technik als eines der Felder, die das Unternehmen weiter stabilisieren sollten.
„Wir haben das Know-how, im Augenblick konzentrieren wir uns auf die kleinen Zellen. Aber wir sind mit Abstand der größte Hersteller von Lithium-Ionen-Zellen in Deutschland“, sagt Ostermann vor einem Jahr der F.A.Z. „Am Ende ist alles nur eine Frage der Skalierung, denkbar sind auch Zellen für Energiespeicher in größeren Formaten.“
Ostermann hatte im Mai 2024 die Verantwortung bei VARTA übernommen und versucht seitdem, das Unternehmen zu stabilisieren und die große Abhängigkeit von Apple im Bereich der Coin-Power-Zellen zu reduzieren. Die übrigen Geschäftsbereiche, vor allem die Konsumenten-Batterien und die Batteriespeicher, laufen nach Unternehmensangaben zufriedenstellend.
