»Wenn ich morgens aufwache und den Berg sehe, sind diese 30 Sekunden alle Anstrengungen wert«, sagt Anna Kuisle im Podcast Frisch an die Arbeit. Die 33-Jährige arbeitet seit fünf Jahren jeden Sommer als Wirtin der Hildesheimer Hütte in den Stubaier Alpen und versorgt dort mit ihrem Team bis zu 70 Gäste..
Die Hildesheimer Hütte liegt auf 2.899 Metern Höhe in Tirol und befindet sich zwischen dem Ötztal mit dem Wintersportort Sölden und dem Stubaital. Die hochalpine Lage in der Nähe mehrerer Gletscher macht die Hütte zu einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen.
Bevor die Saison beginnt, erzählt Kuisle, muss sie das Team rekrutieren, zusammenstellen und Dienstpläne schreiben, Lebensmittelbestellungen planen und Helikopterflüge organisieren. »Über die Saison müssen ungefähr zehn Tonnen an Lebensmitteln bewegt werden. Mit dem Helikopter kann man pro Flug rund 700 Kilo hochbringen«, erzählt sie.
Kuisle ist eigentlich studierte Bauingenieurin und arbeitet im Winter auch als Verkehrsplanerin im österreichischen Innsbruck. Nach einigen Jahren im Büro aber fragte sie sich: »War es das jetzt, oder gibt es vielleicht noch was anderes?« Sie entschied sich, noch einmal auf einer Berghütte zu arbeiten, und blieb. »Ich habe es noch nie bereut«, sagt sie.
Zu Kuisles Arbeitsalltag gehören neben der Gastronomie auch Stromausfälle, kaputte Materialseilbahnen und viele Fragen der Gäste zu Wetter, Gletschern und zur Tourenplanung. Gerade auch als junge deutsche Frau habe sie sich ihren Platz unter den Einheimischen und in den Alpen erarbeiten müssen. »Da wird man schon erst mal schief angeschaut«, erzählt sie.
Gerade im hochalpinen Gelände beobachtet sie Veränderungen. »Es wird schon anspruchsvoller und gefährlicher«, sagt sie mit Blick auf schmelzende Gletscher und den auftauenden Permafrost. Gleichzeitig erlebt sie einen Wandel bei den Gästen. »Ich glaube, die Menschen werden jünger, weiblicher und essen häufiger vegetarisch oder vegan«, sagt Kuisle. Auch der Alkoholkonsum nehme ab.
Die Arbeit auf der Hütte, sagt Kuisle, sei für sie anstrengend, aber auch erfüllend. »Die drei Monate auf der Hütte sind einfach fast ausschließlich Arbeit«, erzählt sie. »Aber ich merke dort so richtig, dass das einfach mein Platz ist.«
Im Podcast erzählt Anna Kuisle außerdem, warum die Stimmung auf der Hütte besser wird, wenn der Handyempfang weg ist, was sie tut, wenn sie selbst einmal einen »Hüttenkoller« bekommt und warum sie auch im Winter regelmäßig zu ihrer Hütte wandert.
