
In der Bundeswehr gibt es den Begriff „Ordnungshalt“. Ursprünglich bedeutet er, dass auf einem Marsch einer größeren Truppe befohlen wird, anzuhalten, um Vollzähligkeit, Abstände und Reihenfolge zu überprüfen. Der Generalinspekteur hat ihn jetzt gebraucht, um einen Beförderungsstopp anzukündigen.
Er gilt nur für Soldaten einer bestimmten Laufbahngruppe. Aber er hat in der Bundeswehr insgesamt einige Unruhe verursacht. Über Instagram (!) wurde am Wochenende (!) mitgeteilt, dass Hauptfeldwebel vom 1. Juli an vorerst nicht befördert werden.
Umsetzung einer Rechtsprechung
In der Sache handelt es sich nicht um eine Laune des Verteidigungsministeriums. Minister Pistorius setzt eine Rechtsprechung durch, wonach eine Beförderung nicht, wie bislang in der Dienstvorschrift vorgesehen, allein an eine Mindestdienstzeit gekoppelt werden darf. Sie muss nach Eignung, Leistung und Befähigung gehen. Im konkreten Fall ging es um die Beförderung vom Hauptfeldwebel zum Stabsfeldwebel nach 16 Jahren Dienst.
Seltsam genug, dass es dafür mehrerer Urteile bedurfte (das erste schon 2004, das jüngste im Juli 2025). Noch seltsamer, dass es danach noch so lange bis zur Umsetzung dauerte und die dann nicht mit einem Plan, sondern einem Halt beginnt. Am seltsamsten die Art, wie die Sache kommuniziert wurde. Da braucht wohl auch die Führungsriege mal einen Ordnungshalt.
Der Eindruck lässt sich nicht von der Hand weisen, dass bisher kein Minister sich daran die Finger verbrennen mochte. Obwohl es sich um eine sehr spezielle Frage handelt, wird sie nicht nur in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere mit Portepee beäugt, um die es hier konkret geht.
Das Leistungsprinzip muss generell gelten
Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts von Nordrhein-Westfalen vom Juli vergangenen Jahres und die daraus resultierende, jetzt verkündete Beförderungspause betrifft Hauptfeldwebel. Sie müssen länger warten, bis sie eventuell den zusätzlichen Winkel auf die Schulterklappe geheftet bekommen. Aber es ist klar, dass das Leistungsprinzip generell gelten muss. Eine neue Beförderungsordnung wird daher auf die eine oder andere Weise alle, zumindest alle Berufssoldaten betreffen.
Die Inflation an höheren Dienstgraden betrifft hauptsächlich die Unteroffiziere mit Portepee und Stabsoffiziere. Das ist eine Folge früherer Versuche, die Laufbahn in der Bundeswehr attraktiver zu machen und Spezialisten schönere Dienstgrade zu verleihen. Damit ist aber auch ein Prinzip verwässert worden, das die Bundeswehr durchaus gestärkt und agil gemacht hat: Dass Soldaten mit eher niedrigen Dienstgraden relativ viel Führungsverantwortung erhielten.
Ein höherer Anteil von Soldaten in höheren Dienstgraden macht eine Truppe nicht stärker. Er verstärkt die Neigung zum Wasserkopf. Aber um dahinter wieder zurückzukommen, bedürfte es eines Scharnhorst ‒ lieber ohne ein Jena und Auerstedt.
