Die Commerzbank hat das jüngste Übernahmeangebot der italienischen Großbank UniCredit abgelehnt. Zu dem Anfang Mai unterbreiteten Angebot veröffentlichte die deutsche Privatbank eine begründete Stellungnahme. Darin kommen Vorstand und Aufsichtsrat nach Angaben der Bank zu dem Schluss, die UniCredit biete »den Aktionären der Commerzbank keine
angemessene Prämie und hat keinen nachvollziehbaren und belastbaren
strategischen Plan für einen Zusammenschluss vorgelegt«.
»Was die Unicredit als Zusammenschluss bezeichnet, erweist sich als
Restrukturierungsvorschlag, der massiv in unser bewährtes und
profitables Geschäftsmodell eingreifen würde«, kritisierte Commerzbank-Chefin
Bettina Orlopp laut einer Stellungnahme. Die Bank wolle eigenständig
wachsen. Vorstand und Aufsichtsrat seien überzeugt, dass die Commerzbank mit ihrer jüngsten Strategie mehr Wert schaffen könne.
UniCredit bietet Aktionären Tausch an
Anfang Mai hatten die Aktionäre der UniCredit für eine Übernahme der Commerzbank gestimmt. Sie votierten auch für eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien. Diese Aktien will die UniCredit den Commerzbank-Aktionären zum Tausch anbieten. Davon rät diese entschieden ab.
Nach Angaben vom Montag verfügt die italienische Bank inzwischen über 26,77 Prozent der
Commerzbank-Aktien und hatten über Finanzinstrumente Zugriff auf weitere
3,22 Prozent. Somit bleibt sie knapp unter
der Schwelle von 30 Prozent, ab der ein teureres Pflichtangebot unterbreitet werden muss.
Mit dem freiwilligen Angebot bietet UniCredit für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Aktien. So will die UniCredit bis zum 16. Juni weitere Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen, was deutlich teurer wäre.
Das Übernahmeangebot ermöglicht es Unicredit-Chef Andrea Orcel laut dem Handelsblatt, 30 Prozent zu überschreiten, ohne ein Pflichtangebot vorlegen zu müssen. In der ersten Woche sei das noch bis Mitte Juni laufende
Tauschangebot nur für 0,006 Prozent der
Commerzbank-Aktien angenommen worden.
Commerzbank beklagt Opportunismus
Das Angebot habe auch am Freitag mit rechnerisch
34,56 Euro unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie von 36,48 Euro
gelegen. Der Mittelwert der Kursziele von Analysten liege sogar
bei 41,50 Euro. Das Angebot orientiere sich nur an der
gesetzlich vorgeschriebenen Mindestgegenleistung und sei »ein
opportunistischer Versuch, Kontrolle zu erwerben«, sagte Vorstandschefin Bettina Orlopp.
Die UniCredit ist im September 2024 in die wirtschaftlich angeschlagene Commerzbank eingestiegen. Inzwischen ist sie mit Abstand der größte Anteilseigner. Mit dem offiziellen Kaufangebot hat die UniCredit den Druck auf die deutsche Privatbank weiter erhöht. Die italienische Bank plant die Streichung von rund 7.000 Vollzeitstellen.
Bereits kurz nach der Unterbreitung des Angebots Anfang Mai hatte die Commerzbank ablehnend reagiert. »Was die UniCredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den
Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre
Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie
zahlt«, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Kotzbauer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor etwa zwei Wochen. Auch von der Bundesregierung kam Kritik.
