Eine mutmaßliche Entführerin der Block-Kinder hat vor dem Landgericht geschildert, wie sie vor der Tat zu einer Vertrauten der angeklagten Mutter wurde. Der Familienanwalt habe sie 2023 gebeten, Christina Block zu Gerichtsterminen in Dänemark zu begleiten und sie zu unterstützen, sagte die 51 Jahre alte Zeugin auf Fragen von Blocks Anwalt Ingo Bott. Die beiden Frauen hätten sich rasch angefreundet. «Wir waren viel zusammen.»
Die Israelin, die sich in Hamburg mit dem Alias-Namen «Olga» vorstellte, wollte nach eigenen Worten der verzweifelten Mutter helfen, die keinen Kontakt zu ihren Kindern hatte. Laut Anklage war die Zeugin «die rechte Hand» des Chefs der Cyber-Sicherheitsfirma, die für die Entführung in der Silvesternacht 2023/24 verantwortlich gewesen sein soll. Für ihre Aussagen in Hamburg wurde der Frau sicheres Geleit zugesagt. Sie muss später ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.
Der 52. Prozesstag war bereits der dritte Tag ihrer Aussage. Die Frage des Gerichts, ob sie Christina Block ausgenutzt habe, hatte die Zeugin bei Beginn der Befragung verneint.
Rückholaktion verlief gewaltsam
Die israelische Sicherheitsfirma soll laut Anklage die beiden jüngsten Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block vom Wohnort des Vaters entführt haben. Dabei sei Gewalt angewendet worden. Der damals zehn Jahre alte Junge und das 13-jährige Mädchen wurden zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht. Von dort holte Block nach eigenen Angaben ihren Sohn und die Tochter zu sich nach Hamburg.
Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, den Auftrag zur Entführung gegeben zu haben. Die Zeugin hatte ausgesagt, Christina Block habe von der geplanten Rückholung an Silvester gewusst – was die 53-Jährige bestreitet. Ihrer Aussage zufolge handelte die Firma auf eigene Faust.
Zeugin hatte andere Reaktion erwartet
Die Zeugin schilderte im Gericht, dass ihr Team – fast alle maskiert und schwarz gekleidet – bei der Aktion während des Silvesterfeuerwerks eine ganz andere Reaktion der Kinder erwartet habe. «Wir dachten, sie würden ein bisschen ängstlich sein», sagte die 51-Jährige auf Englisch laut Übersetzung. Man habe extra einen Mann mitgenommen, der gut Deutsch spreche. Er habe dem Jungen und dem Mädchen erklären sollen, dass sie keine schlechten Menschen seien und die Kinder zu ihrer Mutter bringen würden. «Wir dachten, dass es dann für sie in Ordnung sein würde.»
Die Tochter habe aber gesagt, schilderte die Zeugin: «Ich will nicht mehr Deutsch sprechen, ich hasse Deutschland, ich hasse meine Mutter!» Die Zeugin ging aber nach eigenen Worten davon aus, das gehe schnell vorüber. Dass die Kinder bei der Rückholung schließlich gefesselt wurden, habe sie erst später in Israel erfahren. «Ich war wirklich traurig und ein bisschen aufgeregt», sagte sie. «Ich habe auch geweint.»
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