
Der 17. Mai 2026 nimmt selbst in der an Abstürzen und Niedergängen reichen Fortuna-Vereinshistorie einen besonderen Platz ein. Nachdem die Düsseldorfer drei Jahre lang den Bundesliga-Aufstieg angestrebt hatten, bekamen sie an diesem Nachmittag den Drittliga-Abstieg. Dabei schien der Auftrag an jenem 17. Mai machbar: Um sich zu retten, mussten sie einfach nicht mit drei Toren Unterschied in Fürth verlieren – Ergebnis: 0:3.
Im Rückblick auf eine auf allen Ebenen furchtbare Zweitliga-Runde sagte Alexander Jobst: Wären fünf Treffer Differenz nötig gewesen, um direkt abzusteigen, „hätten wir 0:5 verloren“. Das offenbarte – beziehungsweise war schon offensichtlich –, wie zerrüttet die Mannschaft war. Zwei namhafte Trainer (Thioune, Anfang), zwei namhafte Sportvorstände (Vereinslegende Allofs, Mislintat) und ein Sportdirektor (Weber) wurden im Laufe der Saison entlassen, unzählige Fans in ihrer Zuneigung zur launischen Diva vom Rhein schwer beleidigt. Donald Trump hätte wohl seine Freude gehabt an so viel präzise angerichteter maximaler Disruption.
Der Vorstandsvorsitzende Jobst blieb und soll seitdem aus dem gewaltigen Scherbenhaufen einen tragfähigen Neuanfang destillieren. Den freien Fall nicht nur abbremsen, sondern bestenfalls schnellstmöglich reparieren. Einige ermutigende Anzeichen abseits des Sportbetriebs gibt es schon.
Die erste Arbeitsprobe der rot-weißen Rheinländer auf dem Fußballfeld ging aber schon mal daneben. Das Drittliga-Eröffnungsspiel am Freitagabend verloren sie vor stattlicher Kulisse von über 19.000 Zuschauern bei Waldhof Mannheim 1:2. Die mit 15 externen Neuzugängen (und es sollen noch mehr werden) zwangsweise runderneuerten Fortunen bestanden den ersten Test in der robust-kantigen Drittliga-Wirklichkeit nicht.
Der Trainer gerät früh in Erklärungsnot
Das mit gestandenen wie höherklassig erfahrenen Profis wie Dominique Heintz, Fabian Schleusener, Jorrit Hendrix und Philipp Förster verstärkte Ensemble vermochte nur in Spurenelementen Phantasien dafür zu wecken, dass da ein Topteam zusammenwächst. Schleusener (56. Minute) gelang nur der Anschlusstreffer nach 0:2-Rückstand durch die Mannheimer Tore von Thill (18.) und Ulbricht (48.).
Trainer Alexander Ende, wenige Wochen vor dem Abstieg verpflichtet, hat sich mit seinen überraschenden wie missglückten Personalentscheidungen in Mannheim gleich in Erklärungsnot begeben. Dass die Kurpfälzer schon nach wenigen Minuten eine Rote Karte hätten bekommen müssen, gehört auch zur neuen Düsseldorfer Realität: In der dritten Liga gibt es keinen VAR.
Die neue Realität auf der TV-Einnahmenseite lautet: 1,8 statt 17,5 Millionen Euro. Die neue Realität auf der Fortuna-Geschäftsstelle ist eine mit vielen leeren Schreibtischen. 67 und damit mehr als die Hälfte der Mitarbeiter mussten gehen, um die auf die Bundesliga ausgerichteten Strukturen auf Drittliga-Maß zu bekommen.
Die Stadt erlässt die Stadionmiete
Dazu kam die immense Wertvernichtung im Kader durch den Abstieg, weil es offenbar niemand für nötig befunden hatte, in Spielerverträgen auch ein Drittliga-Szenario zu berücksichtigen. So verließen Profis wie der Schweizer Nationalspieler Itten (Bremen) oder der japanische Könner Tanaka (Schalke) die Fortuna trotz Multimillionen-Marktwert quasi zum Nulltarif. „Einen solchen Einbruch kann kein Verein aussitzen“, sagt Vorstandschef Jobst, der nach vielen Jahren Funktionärstätigkeit auf Schalke nun beruflich einem weiteren Problemfall vorsteht. „Emotional tief durchgeschüttelt“ worden sei der ganze Verein. Und doch konnte Jobst ebenso verkünden, dass die Fortuna in stürmischen Zeiten auf einem „intakten Fundament“ stehe.
Was am Glauben von Stadt, Sponsoren und Anhängern an die nächste Wiederauferstehung der Fortuna liegt. Die Stadt erließ dem Klub die Hälfte der Miete für die riesige Arena am Rheinufer. Die Sponsoren fuhren ihre Unterstützung nicht zurück. Und die Fans erwarben über 19.000 Dauerkarten (Ligarekord) für die 19 Drittliga-Heimspiele – ein Statement und besonderer Vertrauensvorschuss zugleich.
Was auch das Klischee verwischte, dass das Publikum in der Mode-, aber eben nicht Fußballstadt nur eine hochklassig kickende Fortuna interessierte. Die Initiative „Fortuna für alle“ pausiert derweil in der dritten Liga. Der Klub hatte für viel Aufsehen und eine volle Arena bei ausgewählten Heimspielen gesorgt, die die Zuschauer kostenfrei besuchen konnten.
Mit einem Spieleretat von knapp acht Millionen Euro hat der neue Sportvorstand Samir Arabi (einst viele Jahre in Bielefeld tätig) so viel Gestaltungsspielraum wie kaum ein anderer Drittliga-Kollege. Die zarte Düsseldorfer Aufbruchstimmung ist jedenfalls ein hohes Gut, das gepflegt gehört. Wie schwer ein direkter Wiederaufstieg ist, haben ja schon viele Zweitliga-Absteiger erleben müssen. Die nächsten schweren Prüfungen als direkte Folge des 17. Mai 2026 stehen unmittelbar bevor: nicht wie angestrebt gegen den VfB Stuttgart oder die TSG Hoffenheim auf großer Bühne spielen zu können, sondern an den kommenden zwei Spieltagen gegen Stuttgart II und Hoffenheim II.
