
Der Weg in die Unabhängigkeit begann mit grünem Tee aus China und einer Horde weißer Männer, die sich als Indianer verkleidet hatten: Am 16. Dezember 1773 enterten die vermeintlichen Krieger der Mohawks drei Schiffe der britischen „East India Company“, die im Hafen von Boston lagen. 340 Kisten Tee gingen dabei über Bord. Widerstand gab es nicht. Dennoch fand der Handstreich als „Boston Tea Party“ Eingang in die Geschichtsbücher. Er richtete sich gegen eine staatliche Fördermaßnahme für die angeschlagene „East India Company“.
Das Parlament in London hatte im Mai 1773 den sogenannten Tea Act verabschiedet und dem Handelsunternehmen damit alle Zölle und Gebühren erlassen. Der Teepreis fiel daraufhin deutlich. Das verärgerte viele Kaufleute in den britischen Kolonien an der amerikanischen Ostküste, die ihre einträglichen Geschäfte mit geschmuggeltem Tee in Gefahr sahen. Auch unter den Konsumenten kam keine Freude über günstigeren Tee auf. Der Tea Act galt ihnen als Repression der Kolonialmacht, um ein britisches Monopol durchzusetzen.
Geheime Waffenlager der Kolonisten
Das Empire sah nach dem Vorfall seinen Herrschaftsanspruch in den Kolonien bedroht und untersagte den Handel im Hafen von Boston völlig, ordnete die Aussetzung der Sitzungen der kommunalen Parlamente an, weitete die Kompetenzen der Gouverneure aus und verstärkte die Truppenpräsenz. Eine militärische Eskalation des Konflikts war vorgezeichnet, als der Provinzialkongress von Massachusetts, das Parlament der Kolonie, Waffen, Munition und Ausrüstung kaufen ließ und damit geheime Waffenlager anlegte.
Dass die „Boston Tea Party“ in Boston eine derartige Sprengkraft entfalten konnte, hatte mit dem ersten globalen Krieg der Geschichte zu tun. Seit 1763 hatte sich das Verhältnis der britischen Kolonien in Nordamerika zum britischen Mutterland kontinuierlich verschlechtert. In diesem Jahr endete der siebenjährige Krieg mit einem glanzvollen Sieg Großbritanniens. Das Empire und Frankreich hatten sich auch in Nordamerika auf dem Schlachtfeld gegenübergestanden. Die hohen Ausgaben für die Armee, die auf bis zu sechzig Prozent des Haushalts anwuchsen, machten Großbritannien jedoch zu schaffen.
Deshalb sollten nach dem Willen des Parlaments in London auch die wohlhabenden nordamerikanischen Kolonien finanziell in die Pflicht genommen werden. Bisher war die Steuerlast der Kolonisten im Vergleich zu den Bürgern des britischen Mutterlandes minimal. Das britische Parlament verabschiedete daher 1765 das sogenannte Steuerstempelgesetz. Die Kolonisten mussten eine Steuer auf amtliche Dokumente und sonstige Druckerzeugnisse wie Zeitungen, Testamente und Verträge entrichten. Daraufhin kam es das erste Mal zu größeren Protesten gegen das Mutterland.
Boykott britischer Waren
Die Kolonisten stellten sich auf den Standpunkt, wer Steuern zahle, müsse auch im Parlament in London vertreten sein, ihr Slogan lautete „No taxation without representation“. Das britische Parlament gab dem Druck schließlich nach und setzte die Stempelsteuer 1766 außer Kraft. Zugleich bekräftigten die Abgeordneten jedoch das Recht des Parlaments, Gesetze mit bindender Wirkung für die Kolonien zu verabschieden. Seither blieben die nordamerikanischen Kolonien im Aufruhr. Angriffe auf Regierungsgebäude und Vertreter der britischen Krone häuften sich.
Zu einem Wendepunkt wurde die „Boston Tea Party“ auch, weil sie die 13 britischen Kolonien zusammenschweißte, die bisher nur lose Verbindungen untereinander pflegten. Am 5. September 1774 trat der erste Kontinentalkongress in Philadelphia zusammen, mit Delegierten aus zwölf Kolonien. Das war faktisch nichts anderes als die Vorstufe für eine Zentralregierung. Das Gremium rief die Bewohner der Kolonien zu einem strikten Boykott britischer Waren auf und ließ diesen in Städten und Gemeinden durch Komitees überwachen.
Der Erfolg war enorm: Die britischen Importe gingen von 1774 auf 1775 von drei Millionen auf 220.000 Pfund zurück. Vor dem endgültigen politischen Bruch mit dem Mutterland schreckten die meisten Delegierten des Kontinentalkongresses, der im Mai 1775 ein zweites Mal zusammentrat, jedoch zunächst zurück. Noch im Juli 1775 versicherten sie dem britischen König Georg III., die Kolonien verstünden sich weiter als ergebene Untertanen der britischen Krone. Sie forderten aber auch, dass über Garantien für die Rechte der Kolonien verhandelt werde. Georg III. betrachtete dies als Rebellion.
Thomas Paine: Kampf für eine neue Herrschaftsform
Eine Flugschrift mit dem Titel „Common Sense“ von Thomas Paine trug schließlich maßgeblich dazu bei, die Forderung nach Unabhängigkeit in den Mittelpunkt zu rücken. Paine, einer der sogenannten Gründerväter der Vereinigten Staaten, erklärte den Konflikt darin zum weltanschaulichen Kampf zwischen Freiheit und Monarchie. Er interpretierte ihn als Chance, eine neue Form der Herrschaft zu etablieren, die sich an den Idealen der Aufklärung orientiert. Die Delegierten der Kolonie Virginia brachten schließlich am 7. Juni 1776 im Kontinentalkongress den Antrag ein, die Kolonien zu freien und unabhängigen Staaten zu erklären.
Der Kongress setzte eine fünfköpfige Kommission ein, die einen Entwurf für die Unabhängigkeitserklärung erarbeitete; sein maßgeblicher Autor war Thomas Jefferson. Der Kongress nahm daran mehrere Änderungen vor. So wurde die in Jeffersons Text ursprünglich enthaltene Kritik an der Sklaverei gestrichen. Am 4. Juli beschlossen die Delegierten von zwölf Kolonien einstimmig: Die Vereinigten Staaten von Amerika waren geboren.
Die Unabhängigkeit musste aber nicht nur erklärt, sie musste auch erkämpft werden. Der Unabhängigkeitskrieg hatte schon am 18. April 1775 begonnen. Britische Soldaten waren an diesem Tag nach Concord marschiert, um die Vorsitzenden des dortigen Provinzialkongresses festzunehmen und ein Waffenlager auszuheben. Das Bataillon wurde jedoch von Milizen der Kolonisten zum Rückzug gezwungen und erlitt schwere Verluste.
Damit sich so etwas nicht wiederholte, verpflichtete die britische Krone 30.000 deutsche Söldner, das größte Kontingent von ihnen kam aus Hessen. Auch die nun unabhängigen Vereinigten Staaten von Amerika holten sich deutsche Hilfe: Der ehemalige preußische Hauptmann Friedrich Wilhelm von Steuben sollte den amerikanischen Truppen den noch fehlenden Drill verpassen. Großbritannien kapitulierte 1781.
