
Nach der jüngsten Serie von Brandanschlägen in Frankfurt und Offenbach sollen Fälle, die unter das Phänomen „Violence as a Service“ fallen, zentral gesammelt und ausgewertet werden. Das teilt das hessische Innenministerium mit und verweist auf eine entsprechende Ermittlungsgruppe im Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden. Ein solches Vorgehen habe sich bereits bewährt, heißt es vonseiten der Behörde. Hessen beteilige sich schon länger am bundesweiten und internationalen Austausch.
Das Landeskriminalamt spricht von einer Zunahme der Taten, bei denen vor allem Jugendliche aus dem Ausland für Geld angeworben werden, um Brandsätze zu legen oder andere Straftaten zu begehen. Das Phänomen „Violence as a Service“ oder auch „Crime as a Service“ ist inzwischen weit verbreitet bei Akteuren der organisierten Kriminalität.
Die Taten dienen den Erkenntnissen zufolge als „Abstrafaktionen“ oder werden als Drohungen eingesetzt, häufig im Zusammenhang mit internationalem Drogenhandel. Erst am Dienstag hat auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mitgeteilt, dass im Zusammenhang mit dem zunehmenden Rauschgifthandel auch Gewalttaten zunähmen, indem „Wegwerftäter“ gezielt angeworben und bezahlt würden.
Steigende Fallzahlen
In Hessen wurden nach Angaben des LKA erstmals im Jahr 2024 solche Taten bekannt, die unter „Violence as a Service“ fallen. Damals hätten sich die Zahlen noch im einstelligen Bereich bewegt. Im Verlauf des Jahres 2025 sei ein Anstieg verzeichnet worden, die Fallzahlen stiegen auf einen unteren zweistelligen Bereich. Auch im aktuellen Jahr wurde den Angaben zufolge eine mittlere zweistellige Zahl von Taten erfasst, die möglicherweise dem Phänomen „Violence as a Service“ zuzuordnen sind.
Inzwischen hat das Landeskriminalamt eine Taskforce „Violence as a Service“ eingerichtet, in der „operative, analytische und präventive Kompetenzen gebündelt werden“. Die Taskforce unterstütze die örtlich zuständigen Dienststellen und stelle eine einheitliche Vorgehensweise sicher. Gleichzeitig werde auch der Bedarf an zusätzlichen personellen und strukturellen Ressourcen erhoben. „Die zunehmende Fallzahl und Komplexität der Verfahren erfordern langfristig eine weitere Stärkung zentraler Kapazitäten.“
Der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) sagte: „Gewalt darf nicht zum Geschäftsmodell werden.“ Hessen habe früh erkannt, dass „Violence as a Service“ keine Randerscheinung sei und frühzeitig gehandelt werden müsse. Mit der Taskforce im LKA habe man eine „schlagkräftige Struktur geschaffen, die nicht bei den austauschbaren Tätern am unteren Ende der Kette stehen bleibt, sondern gezielt die Hintermänner, Rekrutierer und Logistiker ins Visier nimmt. Genau dort setzen die Ermittler an, weil dort die eigentliche Bedrohung liegt.“
Aus seiner Sicht gehen die Täter „noch rücksichtsloser und brutaler vor als bei Sprengungen von Geldautomaten. Bei beiden Phänomen scheinen die Täter keine Skrupel davor zu haben, Unbeteiligte in Mitleidenschaft zu ziehen oder gar zu verletzten.“
