
Das Logo der 13. Ausgabe des Frankfurter Festivals „Literaturm“ ist bewusst gewählt: ein menschliches Herz in den Farben Schwarz-Rot-Gold. Weil, so die Literaturreferentin der Stadt, Sonja Vandenrath, das Thema Ost- und Westdeutschland „die Herzfrequenz in die Höhe“ treibe. „Ost – West – Text“ lautet das Thema des städtischen Festivals, das seinen Namen von den Hochhäusern herleitet, in denen bei Unternehmen, Kanzleien und Banken die Lesungen und Diskussionen stattfinden. Die Eröffnung am 8. Juni aber wird wie stets in der Volksbühne am Großen Hirschgraben stattfinden. Dort sprechen Jana Hensel, Ursula Krechel und Steffen Mau, Belletristik- und Sachbuch-Autoren aus Ost und West und aus unterschiedlichen Generationen.
Das ist das Prinzip des Programms an allen sieben Festivaltagen, die 25 Veranstaltungen mit 80 Gästen bieten: Es geht um Verbindungen, auch um Kontraste, von Ost und West – und das im Herzen Westdeutschlands. Lange sei in Frankfurt nicht bewusst gewesen, dass die Bundesrepublik mit dem Mauerfall eine andere geworden sei, erinnerte sich bei der Programmvorstellung Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) an die Neunzigerjahre.
Die harten Fragen, die Verwerfungen, Verkrustungen, die Vorwürfe, die man einander zum Erbe der DDR mache, seien inzwischen in den Vordergrund getreten. Darum und wie man die Lebenswirklichkeit der DDR heute interpretiere, werde gerungen. Deshalb sei die Themensetzung des Festivals so wichtig, es gehe darum, diese Fragen in Frankfurt wie in einer Art Werkstatt zu bearbeiten.
DDR-Autoren auch im Westen zu Klassikern geworden
Viele DDR-Autoren seien mittlerweile auch im Westen zu Klassikern geworden, sagte Hartwig. Ein solcher Klassiker kommt auch zum Festival: Nur selten tritt Christoph Hein, 82 Jahre alt, auf. Seine Lesung aus „Das Narrenschiff“ am Mittwoch, 10. Juni, wird als Höhepunkt eines dichten Festivals erwartet, das außer den Hochhäusern auch traditionelle Literaturorte wie die Romanfabrik und das Literaturhaus bespielt, mit zahlreichen Kooperationspartnern.
Vor allem aber sind viele neue literarische Stimmen in den vergangenen Jahrzehnten hinzugekommen, die in ganz Deutschland gelesen werden, wie Hartwig hervorhebt. Etliche versammelt das Festival: Marlen Hobrack („Erbgut“) tritt in Dialog mit Daniela Dröscher („Lügen über meine Mutter“), Jonas Lüscher („Verzauberte Vorbestimmung“) ist im Gespräch mit Dirk Oschmann und Ingo Schulze zu erleben. Peter Neumann, Jahrgang 1987, der sich mit „Mentalitäten“ befasst, trifft auf Lutz Rathenow, Jahrgang 1952, der in der DDR wegen seiner Texte und seines Engagements mehrfach verhaftet und bespitzelt wurde.
Politische und ökonomische Fragen in Neuerscheinungen der vergangenen zwei, drei Jahre, sowohl in erzählender Literatur als auch im Sachbuch, stehen im Mittelpunkt. Jedes Thema, sagt Hartwig, könne literarisch bearbeitet werden, daher sei sie in diesem Jahr besonders froh über die Themensetzung. Vor allem Mentalität, rechte Ideologien, die Jugend in Ostdeutschland und auch die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt haben das Konzept geprägt. „Wir sind ein Diskursfestival“, sagt Vandenrath.
Die Kosten des Festivals liegen bei rund 80.000 Euro. Von Freitag, 15. Mai, an liegt das Programmheft aus. Bis auf die Lesungen im Hochhaus Four, für das personalisierte Tickets benötigt werden, sind sowohl Tickets im Vorverkauf als auch an der Abendkasse erhältlich.
