Das Licht im Mozartsaal wird dunkel, und das Publikum fängt an zu kreischen. Dabei stehen an diesem Vormittag bei der „Zeitungsgala“ in der Alten Oper nur Schülerinnen und Schüler aus Frankfurt auf der Bühne und keine Popstars. Sie werden von ihren Mitschülern allerdings gefeiert, als wären sie welche. Die Autoren der besten Arbeiten, die beim F.A.Z.-Schulprojekt „Meine Zeitung“ entstanden sind, werden während der „Zeitungsgala“ prämiert. Viele Schulklassen sind gekommen und fiebern mit.
964 Schülerinnen und Schüler aus 36 Klassen haben in diesem Jahr am Schulprojekt „Meine Zeitung“ teilgenommen. Sie haben sich im Unterricht mit der F.A.Z. beschäftigt, journalistische Darstellungsformen analysiert, die Zeitung ausgewertet und sogenannte Langzeitarbeiten erstellt. Das sind umfangreiche Dossiers, die die Schüler auf der Grundlage von Zeitungsartikeln zu selbst gewählten Themen erarbeitet haben. Sie umfassen zig Seiten, oft handgeschrieben und angereichert um kreative Elemente wie Rätsel, Zeichnungen und selbst geführte Interviews.
Die jungen Preisträger haben die Berichterstattung über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine analysiert. Sie haben Trumps Regierungsstil hinterfragt. Sie haben überlegt, ob und wie die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung kommen kann. Und sie haben Podcasts erstellt über Raumfahrt oder die hessischen Kommunalwahlen.

Doch vor der Preisverleihung gibt es Musik. Das Schüler-Jazzensemble unter der Leitung von Peter Klohmann zeigt, was es draufhat. Als ein junger Trompeter nach seinem Solo keck seinen Hut lupft, wird wieder gekreischt, was die Stimmbänder hergeben. Dieses Publikum ist begeisterungsfähig. Die Moderatorin Kate Menzyk hat ihre Freude daran und preist die Band: „Ihr seid von Jahr zu Jahr noch krasser unterwegs!“
Autonom denken, kritisch hinterfragen
Bevor die Preisträger auf die Bühne kommen, erläutern Frank Dievernich und Carsten Knop, was es mit dem Schulprojekt „Meine Zeitung“ auf sich hat, mit dem zwei Kooperationspartner die Medienkompetenz der Schüler stärken wollen. Dievernich ist der Vorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Knop einer der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „In Zeiten von Social Media und kurzen Infohäppchen dürfen wir die Lesekompetenz nicht verlieren“, sagt er. Denn sonst werde man schnell hinters Licht geführt. Den Schülern rät er, über Beiträge in den sozialen Medien kritisch zu reflektieren: „Überlegt euch: Wem nützt das, was ihr da lest?“
Und auch Dievernich empfiehlt, den eigenen Kopf zu verwenden und sich selbst ein Bild zu machen. Das Gehirn verändere sich durch die Form der Mediennutzung. Es bleibe nur „halb aktiv“, wenn man stets nach Abkürzungen suche und die Künstliche Intelligenz nach Lösungen frage. Dievernich sagt: „Es geht darum, unser Gehirn zu trainieren, um die Gesellschaft so gestalten zu können, wie wir sie haben wollen.“

Zwischendurch lässt Claudius Specht, ein Schweizer Tempojongleur vom Tigerpalast, mit enormer Geschwindigkeit die Keulen kreisen. Dann kommen die Preisträger an die Reihe. Paulina Sieben zum Beispiel hat einen Podcast über Raumfahrt erstellt. Das Format sei „eine tolle Art, um Wissen und die eigene Begeisterung zu übermitteln“, findet sie. Und Emma Cepeda Campo, die sich in einer philosophischen Arbeit mit demokratischen Werten beschäftigt hat, führt aus, warum es so wichtig sei, selbst zu denken und kritisch zu hinterfragen.
Menzyk ist beeindruckt von so viel Kompetenz: „Du bist in deinem Alter schon so viel weiter als die meisten Erwachsenen, die ich kenne.“ Das Kompliment trifft auf viele Preisträger zu. Und jene, die leer ausgegangen sind, tröstet die Moderatorin damit, dass es in der Jury um „hauchdünne Millimeterentscheidungen“ gegangen sei: „Das Talent, die Power und die Zukunft gehört euch allen!“
