
Das Triple des Scheiterns ist perfekt: Der viermalige Weltmeister Italien hat sich erneut nicht für die Fußball-WM qualifiziert und muss im Sommer beim XXL-Turnier in Nordamerika zuschauen. Das Team von Trainer Gennaro Gattuso verlor trotz Führung mit 1:4 (1:1, 1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen in Bosnien-Herzegowina.Wieder nichts, das Trauma setzt sich fort: Italien hat zum dritten Mal nacheinander die Teilnahme an einem WM-Turnier verpasst. Der viermalige Weltmeister unterlag Bosnien-Herzegowina um den Schalker Edin Dzeko 1:4 im Elfmeterschießen und scheiterte damit dramatisch an der letzten Hürde vor der Qualifikation für das Endturnier in den USA, Mexiko und Kanada. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:0) gestanden.
Die Squadra Azzurra spielte nach der Roten Karte gegen Alessandro Bastoni (41. Minute) lange in Unterzahl. Beim Showdown vom Punkt vergaben zwei der drei italienischen Schützen.
Schweden, Nordmazedonien, Bosnien
Nach dem Aus gegen Schweden vor der WM 2018 und der Blamage gegen Nordmazedonien 2022 wird auch der Abend von Zenica unrühmlich in Italiens lange Fußball-Historie eingehen. Bosnien-Herzegowina um den am Ende verletzten Schalker Stürmer Edin Dzeko bekommt es nach dem emotionalen Triumph über den deutlichen Favoriten in der WM-Gruppe B mit der Schweiz, Katar und Co-Gastgeber Kanada zu tun.
Dabei hatte Angreifer Moise Kean (15.) früh das Führungstor für Italien erzielt und dabei auch von einem groben Patzer von St.-Pauli-Torwart Nikola Vasilj profitiert, dessen missglücktes Zuspiel das Gegentor einleitete. Italien beschränkte sich im Anschluss nur noch aufs Verteidigen und zog sich nach einer Roten Karte für Bastoni noch mehr in die Defensive zurück.
Man lauerte auf Konter – und es war erneut Kean, der das zweite Tor auf dem Fuß hatte. Doch der Stürmer, der allein auf Vasilj zulief, setzte den Ball knapp über das Tor. In der regulären Spielzeit schoss Italien nur zweimal auf das bosnische Tor.
Elfmeter bringen Bosnien zur WM
Bosnien drückte lange auf den Ausgleich, wurde schließlich durch Haris Tabakovic (79.) von Borussia Mönchengladbach belohnt. Schließlich zerstörte das Elfmeterschießen alle italienischen WM-Träume, Francesco Esposito und Bryan Cristante verschossen vom Punkt. Das von Dzeko angeführte Bosnien ist zum zweiten Mal nach 2014 beim wichtigsten Turnier der Welt dabei.
Neben Italien schafften auf den letzten Drücker auch die Türkei (1:0 gegen Kosovo), Tschechien (3:1 im Elfmeterschießen gegen Dänemark) und Schweden mit einem 3:2 gegen Polen um Starstürmer Robert Lewandowski den Sprung zum XXL-Turnier, das von 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada stattfindet. Erstmals werden 48 Nationen dabei sein.
Tschechien siegt vom Punkt
Damit stehen 46 Teilnehmer für das Turnier vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada fest. Zwei weitere Plätze nach den vier europäischen Duellen werden in den interkontinentalen Playoffs in Mexiko ausgespielt. Jamaika trifft am späten Dienstagabend (23.00 Uhr) auf die Demokratische Republik Kongo, der Irak bekommt es am Mittwochmorgen mit Bolivien (5.00 Uhr/DAZN) zu tun.
Überraschend gescheitert sind die Dänen. Pavel Sulc (3.) und Ladislav Krejci (100.) hatten Tschechien jeweils in Führung gebracht, Dänemark kämpfte sich durch Tore von Joachim Andersen (73.) und Kasper Högh (111.) in das Elfmeterschießen. Dort vergaben gleich drei Dänen einen Elfmeter, nur Christian Eriksen traf – Tschechien siegte vom Punkt mit 3:1.
Das Team um den diesmal eingewechselten Eriksen hatte bereits im Herbst in der Gruppenphase das sicher geglaubte Direktticket in letzter Minute verspielt und nun fünf Jahre nach dem EM-Halbfinaleinzug das WM-Ticket verpasst.
Tschechien bekommt es in der machbaren WM-Gruppe A mit Gastgeber Mexiko, Südafrika und Südkorea zu tun.
Gyökeres trifft gegen Polen
Den großen Coup verpasst hat der Kosovo mit dem deutschen Trainer Franco Foda. Das Team mit Hoffenheims Stürmer Fisnik Asllani unterlag der Türkei nach einem Treffer von Kerem Aktürkoglu (53.). Für die Türkei ist es nach 1954 und 2002 die dritte WM-Teilnahme. In Gruppe D geht es neben Gastgeber USA auch gegen Australien und Paraguay.
In der spektakulärsten Partie des Abends setzte sich Schweden dank Treffern von Anthony Elanga (20.), Gustaf Lagerbielke (44.) und Viktor Gyökeres (88.) durch. Für Polen waren die Tore von Nicola Zalewski (33.) und Karol Swiderski (55.) nicht genug. Der 37 Jahre alte Lewandowski hat damit seine möglicherweise letzte Chance auf eine WM-Teilnahme verspielt. Gyökeres hatte bereits im Halbfinale drei Treffer erzielt.
Neben der deutschen Nationalmannschaft und Europameister Spanien hatten sich auch Belgien, England, Frankreich, Portugal, Kroatien, Norwegen, Schottland, Österreich, die Niederlande und die Schweiz als europäische Vertreter auf dem direkten Weg qualifiziert.
Francesco Pio Esposito und Bryan Cristante vergaben für die Italiener von Nationaltrainer Gennaro Gattuso bei der Entscheidung vom Punkt. Ein Grund für Italiens Niederlage war zudem der Platzverweis für Alessandro Bastoni (41.). Ihre WM-Tickets lösten am Dienstagabend auch Schweden, die Türkei sowie Tschechien.
Im Bilino Polje Stadion von Zenica gingen die Italiener nach einer Viertelstunde zunächst durch Moise Kean (15.) in Führung. Der Angreifer der AC Florenz hatte beim mühevollen Halbfinalsieg gegen Nordirland (2:0) für den Endstand gesorgt und profitierte von einem Fehler von Torhüter Nikola Vasilj vom FC St. Pauli. Haris Tabakovic (79.) von Borussia Mönchengladbach gelang für die spätestens nach dem Platzverweis für Bastoni deutlich überlegenen Gastgeber der Ausgleich.
Vor zwölf Jahren in Brasilien war Italien als Dritter hinter Costa Rica und Uruguay und trotz eines Sieges gegen England in der Vorrunde gescheitert. Ein Comeback auf der weltgrößten Bühne zerschlug sich danach zweimal bereits in der Qualifikation: 2018 ging die Relegation gegen Schweden verloren, 2022 das Playoff-Spiel gegen Nordmazedonien. Der Gewinn des EM-Titels 2021 blieb der einzige Lichtblick in dieser dunklen Phase – und bleibt es vorerst.
Nach dem Gegentreffer hatten die Gastgeber die besseren Chancen, unter anderem durch den Schalker Nikola Katic und den Stuttgarter Ermedin Demirovic. Der Druck wurde noch größer, nachdem Bastoni als „letzter Mann“ Amar Memic vom tschechischen Erstligisten Viktoria Pilsen kurz vor dem Strafraum zu Fall gebracht hatte. Italien igelte sich danach am eigenen Strafraum ein und hoffte auf Konter – bei einem Sprint von Kean über das halbe Feld beinahe mit Erfolg (60.).
