
Sie tun es wieder. Kaum steigen die Preise für Benzin und Diesel, melden sich Politiker jeglicher Couleur, auch solche, die ansonsten die Marktwirtschaft hochhalten, und fordern Tankrabatte oder andere Formen staatlicher Intervention. Man darf dahinter durchaus einen Selbsterhaltungstrieb vermuten, denn während anderorts Brotpreise schon zur Revolution führten, ruft der autoliebende Deutsche nach dem Staat, wenn die Preise an den Anzeigetafeln in die Höhe klettern.
Doch ist Benzin überhaupt teuer, wenn der Liter zwei Euro kostet? Ein Blick zurück ins Jahr 1976, die erste große Ölkrise, ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg, war zu diesem Zeitpunkt bewältigt. Der Liter Super kostete damals 95 Pfennig. In heutiger Kaufkraft gerechnet wären das ungefähr 1,50 Euro, also nur etwa zehn Prozent weniger als der durchschnittliche Preis für E10 im vergangenen Jahr und deutlich weniger als dieser Tage.
Preisschocks führten zu sparsamen Motoren
Ganz so einfach ist es aber nicht: Die Ölpreisschocks in den siebziger Jahren führten zur Entwicklung deutlich sparsamerer Motoren, zweistellige Verbrauchswerte gehörten bald der Vergangenheit an. Die auf den Kilometer bezogenen Benzinkosten waren folglich im Jahr 2025 nicht höher als ein halbes Jahrhundert zuvor. Sollten sich die Preise nun bei zwei Euro einpendeln, wäre dies ein klares Signal an Hersteller und Verbraucher, stärker auf technische Innovation zu setzen. Die kann in der Entscheidung für einen batterieelektrischen Antrieb münden, muss es aber nicht.
Die Herstellkosten für einen Liter synthetisches Benzin, produziert mit Hilfe von Sonnen- und Windstrom auf der Südhalbkugel, betragen langfristig deutlich weniger als zwei Euro. Solche „Freiheitsenergie“, so eine Wortschöpfung des ehemaligen FDP-Chefs Christian Lindner, würde Autofahrer unabhängiger machen von wiederkehrenden Krisen im Nahen Osten. Und dem Klima diente derartige Innovation nebenbei.
