
Den Welttag des Theaters für Kinder und Jugendliche kann man gar nicht ernst genug nehmen. In keiner anderen Personengruppe kann Theater so viel Grundlegendes bewirken. Wer je erlebt hat, was alles in einer gelungenen Begegnung von Kind und Theater analog und live in einem Raum, mit echten, oft fremden Menschen passieren kann, weiß, wie wichtig der schlichte Slogan der internationalen Kindertheater-Vereinigung ASSITEJ ist: „Take a Child to the Theatre“ heißt er. Man soll ihn beherzigen.
Erst recht in einer Zeit, in der schon die allerjüngsten Kinder schwer leiden müssen unter der digitalen Maßlosigkeit, mit der Erwachsene ihnen Räume der Phantasie und der Autonomie rigoros beschneiden. Oft genug, ohne selbst überhaupt zu verstehen, was sie tun. Die einen überlassen schon die Einjährigen, erschöpft von den Zumutungen eines harten Erwachsenenlebens oder schlicht nur auf die eigenen Bedürfnisse fixiert, Bildschirmen, statt zu sprechen, zu streicheln, zu spielen. Wieder andere meinen, sie wüssten ganz genau, was ihre Kinder oder Enkel brauchen, ballern sie zu mit dem, was in ihr eigenes Weltbild passt: Bildungshuberei oder Kitsch, gern auch beides. Davon gibt es reichlich.
Das Paradox: Oft kosten die Tickets für solche allenfalls gut gemeinten Veranstaltungen weit mehr als jene für kluges, neues, erfrischendes Theater, das immer für alle gedacht ist, von zwei, von fünf, von zwölf Jahren an. Dort, im Theater für Kinder und Jugendliche, egal ob in der freien Szene oder an den großen öffentlichen Häusern, hat sich unglaublich viel getan. Unter #ASSITEJwelttag wird man am 20. März vieles davon sehen, eine Aktion, die von der in Frankfurt ansässigen deutschen ASSITEJ initiiert wurde.
Die aktuellen Lebenswelten der jungen Menschen spielen eine viel größere Rolle als früher, und auch vor der Haustür gibt es deutlich mehr Angebot an Vorstellungen, an Vermittlung, an Teilhabe. Wenn jetzt etwa in der Oper Frankfurt eine „Turandot“ für Kinder noch weit vor der Premiere für die Erwachsenen gespielt wird, wenn das Staatstheater Mainz eine Pop-up-Spielstätte für die Kinder freiräumt oder die Theaterwerkstatt im Zoo Frankfurt noch eine weitere Saison wirken kann, sind das gute und große Fortschritte.
Doch noch reicht das Angebot bei Weitem nicht aus, um jedem Kind wenigstens einmal im Jahr einen Theaterbesuch zu ermöglichen. Umso wichtiger ist es, dass Erwachsene, Politiker, Eltern, Verwandte, Pädagogen dafür sorgen, Kindern und Jugendlichen Wege in die Kunst, zu Bildung und Teilhabe zu ermöglichen. Nicht nur am 20. März: Es ist noch viel zu tun.
