
Die vollkommen maßlose Sprache, die Donald Trump für seine Drohungen gegen Iran gebraucht hat, sollte vermutlich Stärke demonstrieren. Natürlich hätten die Vereinigten Staaten von Amerika die Militärmacht, um gemäß den Ankündigungen ihres Präsidenten ein Land wie Iran „in die Steinzeit“ zu bombardieren, ja, seine „Zivilisation auszulöschen“.
Aber die vermeintlich unbegrenzte Stärke der Supermacht ist in Wahrheit nur eine beschränkte. Selbst wenn sie von einem Mann kommandiert wird, der von sich einmal gesagt hatte, er könnte auf offener Straße jemanden erschießen und würde trotzdem keinen Wähler verlieren, kann der diese Militärmacht nicht so schrankenlos einsetzen, wie er spricht.
Beschränkung der Macht Trumps
Das würde ihm innenpolitisch wohl doch nicht durchgehen. Ganz zu schweigen von der außenpolitischen Wirkung. Eine solch radikale Zerstörung der zivilen Infrastruktur hätte es jedem zivilisierten Land der Erde, und wäre es noch so eng mit den USA verbündet, schwer gemacht, sich noch an ihrer Seite zu zeigen.
Mag es ihm auch gleichgültig sein, ob er international noch Partner hat, kann Trump die heimischen Stimmungen nicht ignorieren. Deshalb hat er auf die Option verzichtet, Truppen am Boden in Iran einzusetzen. Und deshalb will er – wer und was auch immer ihn in diesen Krieg gezogen hat – so schnell wie möglich wieder hinaus. Kurze Dauer: Das war die Hauptbotschaft seiner Ansprache, mit der er die neue Phase seiner Kriegsführung vor Ostern eingeleitet hatte. Das bedeutet, dass er auf einen vollständigen militärischen Sieg in diesem Krieg nicht warten kann.
Die Stärke der Sprache Trumps kaschiert allenfalls dürftig seine strategische Schwäche. Die liegt in der Asymmetrie des Konflikts begründet.
Eine Lehre aus zahlreichen Kriegen
Gerade der Präsident der Vereinigten Staaten und seine Berater, so er denn welche hat, auf die er hört, müssten das wissen. Der Großpate der Präsidentenberater, Henry Kissinger, hat das Problem anhand der Erfahrung des Vietnamkriegs sinngemäß so auf den Punkt gebracht: Der Schwache gewinnt, wenn er nicht verliert. Der Starke verliert, wenn er nicht gewinnt.
Da hilft dem Starken weder seine technische und materielle Überlegenheit, noch, dass er den Krieg ins Land des Schwächeren tragen kann. Nicht nur Vietnam, sondern der Ausgang vieler asymmetrischer Kriege belegt die Gültigkeit dieser Erkenntnis: von Napoleon in Spanien (als der von Kissinger benutzte Begriff der Guerilla entstand) bis dreimal in Afghanistan, vom Irak bis nun möglicherweise auch Iran – auch wenn hier noch nicht aller Tage Abend ist.
Denn besiegt worden ist das Mullah-Regime bis zum Eintritt der vorläufigen Waffenruhe nicht nur in dem Sinne nicht, dass es trotz der Eliminierung mehrerer Führungsriegen immer noch existiert. Es ist auch militärisch bis zuletzt handlungsfähig geblieben. Es konnte weiterhin Drohnen und Raketen auf andere Länder abschießen. Es konnte glaubwürdig drohen, Schiffe zu versenken, die ohne die Erlaubnis Teherans die Straße von Hormus passieren würden.
Es konnte sogar US-Kampfflugzeuge abschießen und Amerika zu einer sehr aufwendigen und teuren Rettungsaktion zwingen. Ein als Geisel gefangener Pilot wäre nur das i-Tüpfelchen gewesen.
