
Der Experte ist kein selbst ernannter. Eine international anerkannte Koryphäe seines Fachgebiets, in zahlreichen Gremien vertreten, Regierungen und Unternehmen beratend. Da sitzt er nun und spricht über eine Technologie, deren Weltmarkt mittlerweile von chinesischen Anbietern beherrscht wird. Das Wissen hätten wir in Deutschland auch, so seine These, wir müssten es nur endlich zur Anwendung bringen. Voraussetzung dafür wäre, jenseits der Wahlperioden langfristige Politik zu machen. Schließlich lässt er die Katze aus dem Sack: Deutschland bräuchte auf begrenzte Zeit einen ungehindert regierenden „friendly dictator“.
Nun ist uns aus dem Geschichtsunterricht eine solche Herrschaftsform nicht bekannt. Sie ist aber jenseits aller moralischen Fragen auch makroökonomisch schlicht Unfug. Dass es einen allwissenden Alleinherrscher nicht gibt und von ihm getroffene Entscheidungen daher nicht in allgemeinem Wohlstand, sondern Fehlallokationen des Kapitals münden, sollte spätestens mit den Schriften des Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts bekannt sein.
Der Aufstieg des autoritär regierten Chinas in Hochtechnologiesektoren widerlegt Hayeks Thesen nur scheinbar. Tatsächlich sind Geisterstädte und Fabriken mit einer Auslastung von weniger als 50 Prozent zu beobachten. Fehlallokationen eben, die nur durch funktionierende Märkte zu verhindern sind. Richtig ist, dass deutsche Regierungen mit freundlicher Unterstützung von Brüssler Bürokraten immer wieder der Verlockung erliegen, Märkte stark zu regulieren. Und dass sie damit technische Entwicklungen bremsen.
Ein Argument gegen die Freiheit ist das aber nicht. Im Gegenteil: Nur wo Menschen wählen können, etwa welchen Beruf sie ergreifen wollen, entstehen wahrhaft neue Ideen. Deutschland braucht nicht weniger Freiheit, sondern mehr.
