
Ach, Schwiiz, du Land der schwarzen Pisten und famosen Fondues, mach dich mal locker. Wenn man bei euch entspannt zur Bahn gehen will, läuft man besser fokussiert und konzentriert zum Bahnhof, weil die Züge immer pünktlich abfahren. Schon über zwei Minuten Verspätung regen sich die Schweizer auf, wie uns eine Österreicherin sagte.
In Deutschland schlendern wir stets cool zum Bahnhof, weil die Bahn eh Verspätung hat, sodass wir immer den Zug erreichen. Falls nicht, nehmen wir halt den nächsten. Da der häufig ausfällt, haben wir sogar noch mehr Zeit. Und schon seit Anfang der Siebzigerjahren wissen wir sowieso: Es fährt ein Zug nach nirgendwo! Vielleicht sind deswegen unsere Schaffner auch entspannter als die der Eidgenossen.
Die Schweizer verlangen bei der Kontrolle der Fahrkarte und der Bahncard in der App auf dem Smartphone noch den Lichtbildausweis. Das ist zwar ihr gutes Recht, worauf sie auf Nachfrage mit fast erhobenem Zeigefinger hinweisen.
Aber die Begründung ist schlecht. Es könnte ja nicht das eigene Smartphone sein, das der Fahrgast hinhält, sondern ein gestohlenes. Es wäre ein Leichtes, so ein mit Pin geschütztes Gerät zu entsperren. „Akademiker“ wüssten, wie das geht. Wir wissen es trotz Doktortitel nicht, die Deutsche Bahn ebenso wenig. Eigentlich weiß es niemand. Wer es schafft, ein mit Code geschütztes Smartphone zu knacken, hat die Freifahrt redlich verdient.
Zurück in Deutschland geben die Schaffner direkt hinter der Grenze offen zu, dass auch sie eigentlich den Lichtbildausweis kontrollieren müssten. Theoretisch könnten zwei Personen den gleichen Bahnaccount benutzen, sodass sie nur einmal die Bahncard kaufen müssten. Aber sie wollen den Ausweis nie sehen. Weil sie entspannt sind, nicht blind den Regeln folgen wie die Eidgenossen.
Und ach, Schwiiz, der Zug hatte nur fünf Minuten Verspätung.
