Die AfD ist aus Sicht von Sachsen-Anhalts früherem Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) auch wegen der zahlreichen Krisen so stark geworden. «Arbeiter, Bürgerliche, Pensionäre und vor allem viele junge Leute trauen den Parteien der demokratischen Mitte nicht mehr viel zu und wählen ganz rechts», sagte Haseloff im Interview der «Süddeutschen Zeitung».
Bei vielen Wählerinnen und Wähler – insbesondere im Osten – überwiege heute ein Gefühl der Ernüchterung. «Die Deutschland AG gibt es an vielen Stellen nicht mehr, unsere Leitbranchen schmieren ab. Wir spüren, dass “Made in Germany” kein Selbstläufer mehr ist», meinte Haseloff.
Der CDU-Politiker warnte vor den Folgen einer möglichen AfD-Regierung nach der Landtagswahl Anfang September. Er verwies auf die Entscheidungsgewalt der Länder bei Bereichen wie der Bildung, der inneren Sicherheit oder beim Verfassungsschutz. «Sie bestimmen bei den Schulbüchern und bei der Bauordnung», so Haseloff. Die AfD «will ein anderes System». Wenn beispielsweise die Schulpflicht abgeschafft würde, «dann wankt die komplette Ausbildung».
Auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit zwischen CDU und AfD nach der Wahl sagte der 72-Jährige: «Ich bin nicht derjenige, der den nächsten Koalitionsvertrag aushandelt, aber Sven Schulze denkt in dieser Frage wie ich. Warum sollte die CDU mit einer Partei koalieren, deren oberstes Ziel es ist, die CDU zu zerstören?»
Haseloff war im Januar als Ministerpräsident zurückgetreten und hatte das Amt an seinen Parteifreund und damaligen Wirtschaftsminister Sven Schulze übergeben. Schulze tritt bei der Wahl am 6. September für die CDU als Spitzenkandidat an.
© dpa-infocom, dpa:260401-930-897327/1
