Nächtliche
Stille liegt über dem Herzen Europas. Keine Jubelschreie sind aus dem Berlaymont-Gebäude, dem Hauptsitz der EU-Kommission, zu hören, auch gegenüber im Ratsgebäude scheint alles
ruhig. Und doch ist in Brüssel wie auch in anderen europäischen
Hauptstädten am späten Sonntagabend große Freude aufgekommen.

Schließlich
ist die Europäische Union eines ihrer drängendsten Probleme losgeworden: Viktor Orbán. Die Macht des
ungarischen Ministerpräsidenten ist nach 16 Jahren gebrochen. Er hat die Parlamentswahl am Sonntag krachend verloren. Damit endet auch der Würgegriff, in dem er die EU hält – und die
Ukraine. Letztere wartet seit Wochen auf 90 Milliarden Euro bereits zugesagter
Hilfen, denen Orbán nicht zustimmen wollte. Den anderen Mitgliedstaaten fehlte ein Druckmittel gegen ihn, die EU stand einmal mehr als handlungsunfähig da.