
Die Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland ist in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden. Mit der Entscheidung würdige die Deutsche Unesco-Kommission die Arbeit der über 5.000 Schaustellerfamilien und die Bedeutung der seit 1.200 Jahren gelebten Volksfestkultur, teilte der Deutsche Schaustellerbund mit.
Träger dieser Kultur seien die Schaustellerinnen und Schausteller. Sie gäben ihr Wissen und ihre handwerklichen Fähigkeiten von Generation zu Generation weiter und entwickelten ihre Angebote kontinuierlich voller Traditionsbewusstsein und Innovationsgeist.
„Die Aufnahme unserer Schaustellerkultur in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist eine große Ehre und damit ein starkes Signal für unseren Berufsstand“, so Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbundes. „Sie zeigt: Volksfeste – aber auch unsere geliebten Weihnachtsmärkte – sind weit mehr als ein Freizeitangebot – sie sind ein zentraler Bestandteil unserer kulturellen Identität. Die Auszeichnung ist Anerkennung unserer Arbeit und Auftrag zugleich – auch an die Politik auf kommunaler-, Landes- und Bundesebene, diese gelebte Volksfestkultur mit verlässlichen Rahmenbedingungen langfristig zu sichern.“
Etwas konkreter äußerte sich bereits Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbands Frankfurt/Rhein-Main bei der Eröffnung der Dippemess, die passenderweise an diesem Freitag kurz nach Bekanntgabe der Unesco-Nachricht die Fahrgeschäfte in Gang setzte. „Das ist eine hervorragende Entwicklung für die Zukunft der Volksfeste in Deutschland“, sagte Roie, der in fünfter Generation einen Familienbetrieb führt. „Jetzt müssen wir herausfiltern, was das uns an direkten und indirekten Vorteilen bringen wird. Die Würdigung ist aber auf jeden Fall eine gute Argumentationshilfe, wenn es um den Bestandsschutz von Volksfesten geht.“
Roie wies auch darauf hin, dass das Urteil eine Wertschätzung gegenüber seine Branche darstelle, die oftmals abschätzig als „fahrendes Volk“ bezeichnet worden sei. „Jetzt ist ausgewiesen, dass wir Leistungsträger über Jahrhunderte hinweg sind.“ Roie wies aus lokaler Perspektive darauf hin, dass es mit einer früheren Würdigung durch die Unesco vermutlich nicht so lange gedauert hätte, bis die Diskussion um eine Verlegung des Frankfurter Festplatzes am Ratsweg beendet worden wäre. Erst vor wenigen Tagen wurde bekräftigt, dass die Dippemess an ihrem Stammplatz bleiben darf.
Auf den rund 9.750 Volksfesten begrüßen die Schausteller nach eigenen Angaben jährlich rund 200 Millionen Gäste.
