Wer jemals unglücklich verliebt war, sei es, weil sich das begehrte Objekt frühzeitig ab- oder gar nicht erst zuwandte, kennt die gut gemeinten Ratschläge des Umfelds: vergessen, überwinden, weiterziehen. Die unerwiderte Liebe hat einen schlechten Stand, sie gilt als Scheitern, denn Liebe, das ist klar, ist da, um zu gelingen, und gelingen heißt: erwidert werden.
Die Wiener Philosophin Miriam Metze hat ein Buch geschrieben, das diese weitverbreitete Annahme von der Minderwertigkeit der ungelebten Liebe zumindest anzweifelt: Unerwidert lieben. Eine philosophische Tröstung geht auf 256 Seiten der Frage nach, ob und wie viel Glück dort zu finden ist, wo man allein bleibt mit dem Sehnen. In Zeiten der Red-flag-Rationalität und der vor allem auf Social Media proklamierten Mahnung zur Vorsicht, die oft mehr nach Versicherungsprosa denn nach Gefühlsregung klingt (“Fünf Fragen, die du dir stellen solltest, bevor es ernst wird”), ist das ein erst einmal bemerkenswert altmodisches Unterfangen.
