Vor der Küste von Libyen ist ein russischer Flüssigerdgastanker gesunken. Das russische Verkehrsministerium teilte mit, das Schiff sei mit einer Marinedrohne angegriffen worden, die von der libyschen Küste gestartet sei. Das Ministerium machte die Ukraine verantwortlich.
Auch der ukrainische Militäraktivist Serhii Sternenko, zuletzt als Berater des Verteidigungsministeriums im Drohnenbereich aktiv, bestätigte den Angriff. Er und unter anderem ein Journalist der New York Times veröffentlichten zudem Fotos der Explosion sowie von Schäden an dem Tanker. Auf dem Schiff ist dabei klar ein großes Leck erkennbar.
Besatzungsmitglieder laut Russland in Sicherheit
Eine offizielle Bestätigung seitens der Ukraine für den Angriff gibt es bisher allerdings nicht. Die Ukraine hat in der Vergangenheit jedoch regelmäßig russische Kriegsschiffe mit selbst entwickelten Marinedrohnen versenkt und in den vergangenen Monaten zudem im Schwarzen Meer und im Mittelmeer russische Öltanker, die zu dem Zeitpunkt kein Öl geladen hatten, mutmaßlich mit Drohnen aus der Luft attackiert.
Der Tanker mit dem Namen Arctic Megagaz war mit Flüssigerdgas beladen und im nordrussischen Murmansk gestartet. Die 30 Besatzungsmitglieder sind laut russischen Angaben in Sicherheit. Laut dem Schiffstrackingdienst Vesselfinder soll der Tanker zuletzt von einem Hafen in Ägypten aus abgelegt haben. Demnach konnte der Standort des Schiffs zuletzt am Montag südlich von Sizilien bestimmt werden.
Die libysche Küstenwache teilte mit, auf dem Schiff habe es zunächst eine plötzliche Explosion gegeben, danach sei ein großer Brand ausgebrochen. Das Schiff sei schließlich im Mittelmeer zwischen Libyen und Malta komplett gesunken. Die Besatzung habe am Dienstagabend einen Notruf abgesetzt. Das Wrack liegt nach Angaben der Behörden etwa 240 Kilometer nördlich der libyschen Hafenstadt Sirte.
Tanker steht unter internationalen Sanktionen
Die Arctic Megagaz steht einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge unter Sanktionen der EU, Großbritanniens und der USA. Das Schiff gehört mutmaßlich zur sogenannten russischen Schattenflotte. Mit der Schattenflotte umgeht
Russland internationale Sanktionen gegen den Export seines Rohöls oder von LNG, deren Käufer vermeiden dadurch wiederum
Sekundärsanktionen seitens westlicher Länder. Die Schiffe der Schattenflotte steuern größtenteils Häfen in China und Indien an, zu regelmäßigen
Käufern sollen aber auch die Türkei, Singapur und die Vereinigten
Arabischen Emirate gehören.
Nach Einschätzung des
US-Finanzdienstleisters S&P Global umfasst die Schattenflotte fast 1.000 Schiffe, die teilweise nicht nur russisches,
sondern auch iranisches und venezolanisches Öl transportieren sollen.
Bis zu 80 Prozent der russischen Ölexporte werden demnach über diesen
Weg abgewickelt. Hunderte dieser Schiffe stehen auf westlichen Sanktionslisten.
