
Die Anzeichen dafür, dass Donald Trump sich von seiner Justizministerin trennen würde, hatten sich in den vergangenen Tagen verdichtet. Am Donnerstag folgte dann die Bestätigung durch den Präsidenten. Wie im Falle von Heimatschutzministerin Kristi Noem, die Anfang März ausgetauscht worden war, verzichtete Trump auch im Fall Pam Bondis darauf, ihr öffentlich Vorwürfe zu machen. Dass ihn ihre Amtsführung im „Department of Justice“ zunehmend frustriert hatte, war allerdings ein offenes Geheimnis in Washington.
Trump teilte, wie bei ihm inzwischen üblich, die Personalie über seine Plattform Truth Social mit: Bondi werde in einen wichtigen neuen Job im Privatsektor wechseln, schrieb er. Details würden in naher Zukunft mitgeteilt. Der stellvertretende Justizminister Todd Blanche werde als amtierender Justizminister übernehmen – Blanche ist Trumps früherer persönlicher Anwalt. Wen der Präsident als regulären Nachfolger nominieren wird, ist offen. Amerikanische Medien berichteten, im Gespräch sei unter anderem Lee Zeldin, der Leiter der Umweltbehörde EPA. Ein Nachfolger muss selbstredend vom Senat bestätigt werden.
Abschiedsworte für die Patriotin: „We love Pam“
Bondi, so Trump weiter, sei eine große amerikanische Patriotin, die ihr Amt gewissenhaft ausgeübt habe. Besonders in der Verbrechensbekämpfung habe sie enorme Arbeit geleistet. „We love Pam“, schrieb der Präsident. Am Mittwochabend, kurz vor seiner Fernsehansprache zum Irankrieg, hatte Trump Bondi im Weißen Haus über ihre bevorstehende Ablösung informiert.
Der Präsident war aus unterschiedlichen Gründen unzufrieden mit der Justizministerin. Da war etwa ihre unglückliche Handhabe der Causa Jeffrey Epstein. Bondi selbst hatte kurz nach Amtsantritt im Februar 2025 nahegelegt, dass es eine „Kundenliste“ des Sexualstraftäters gebe. Im vergangenen Sommer korrigierte sie dies und kündigte zudem zum Entsetzen der MAGA-Bewegung an, anders als versprochen keine Akten in dem Fall mehr zu veröffentlichen – eine Entscheidung, die später revidiert wurde. Vor Weihnachten begann dann die Veröffentlichung der Ermittlungsakten in drei Schüben. Allerdings fehlten zunächst wichtige Akten mit Bezug zu Trump. So wurde zumindest der Eindruck verstärkt, die Justiz halte Informationen über die frühere Beziehung des Präsidenten zu Epstein zurück.
Willige Vollstreckerin einer Vergeltungskampagne
Bondi wurde vor den Kontrollausschuss geladen und sollte noch im April über ihre Rolle im Umgang mit dem Fall aussagen. Die Republikanerin Nancy Mace, Mitglied des Ausschusses im Repräsentantenhaus, stellte nun klar, dass die Vorladung weiter gelte. Bondi habe den Fall Epstein fürchterlich gehandhabt und dadurch Trump unterlaufen.
Der Frust des Präsidenten über Bondi hatte aber auch andere Gründe: Trump hatte seine Justizministerin öffentlich aufgefordert, bestimmte politische Gegner zu verfolgen. Und Bondi erwies als willige Vollstreckerin in der Vergeltungskampagne. So wurden etwa der frühere FBI-Direktor James Comey, und Letitia James, die Justizministerin des Bundesstaates New York, angeklagt. Ein Bundesrichter wies die Klagen aber zurück, weil er befand, dass die Bezirksstaatsanwältin unrechtmäßig ernannt worden sei.
Trump machte Bondi offenbar dafür verantwortlich, dass seine Racheaktionen scheiterten. Andere Fälle, wie etwa Ermittlungen gegen den früheren CIA-Direktor John Brennan über dessen einstige Aussage im Kongress über die russische Einmischung in die Präsidentenwahl 2016, kamen nach Trumps Meinung nicht schnell genug voran. Auch das frustrierte den Präsidenten, obwohl Bondi den ermittelnden Staatsanwalt kürzlich noch zur Rede gestellt hatte.
An Bondis Loyalität zu Trump konnten also keine Zweifel bestehen – auch nicht an ihrem Willen, das „Department of Justiz“ zum Operationszentrum von Trumps Rachefeldzug zu machen. Gewisse rechtstaatliche Hürden konnte aber auch sie nicht überwinden, wofür Trump aber kein Verständnis hatte. Am Ende wurde Bondi so Opfer ihrer Loyalität zu Trump. Als die Justizministerin im Februar im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses in der Causa Epstein in die Mangel genommen wurde, antwortete sie nicht nur ausweichend, sondern geradezu pampig und beleidigend.
Als der Abgeordnete Jamie Raskin, Obmann der Demokraten in dem Ausschuss, sie aufforderte, keine Zeit zu schinden, erwiderte sie: „Sie können mir gar nichts sagen.“ Sodann nannte sie ihn einen „abgenutzten Verlierer-Anwalt“. Mit dem Auftritt tat sich die Justizministerin, deren Amt vor der Trump-Ära den Anspruch hatte, über der Parteipolitik zu stehen, selbst nach Meinung einiger Republikaner keinen Gefallen.
Bondi möchte weiter für Trump kämpfen
Blanche, der nun übergangsweise das Justizministerium führt, äußerte über Bondi, sie habe das Ministerium mit Stärke und Überzeugung geführt. Er sei dankbar für ihre Führung und ihre Freundschaft. Bondi äußerte sich am Donnerstag auf der Plattform X auch selbst über ihre Entlassung: Sie werde im kommenden Monat mit Blanche bei der Übernahme des Interimsposten zusammenarbeiten und dann eine Rolle im Privatsektor übernehmen. Darauf freue sie sich. Und in dieser Rolle werde sie „weiter für Präsident Trump und seine Regierung“ kämpfen.
Es sei die Ehre ihres Lebens gewesen, die Anstrengungen des Präsidenten zu verantworten, Amerika wieder sicher zu machen. Mit einer Bemerkung dürfte sie Recht behalten: Es sei das folgenreichste erste Jahr einer Wahlperiode für das Justizministerium in der amerikanischen Geschichte gewesen.
