
Die Wolkendecke ist dicht, aber hier und da schimmern einige der cremefarbenen Häuserblöcke und Monumente in warmem Licht: Am Montagabend ließ sich vom Hochhaus Tour Montparnasse der vorerst letzte Pariser Sonnenuntergang genießen. Ein letztes Mal konnten Besucher auf die Dachterrasse auf 210 Meter Höhe steigen, ehe das Gebäude am Dienstag für Renovierungsarbeiten vollständig geschlossen wurde. Diese sollen bis mindestens Ende 2030 dauern und rund 750 Millionen Euro kosten.
Mit seiner dunklen Glasfassade gilt der Montparnasse-Turm seit jeher als Fremdkörper in Paris mit seinem hellen Kalkstein, und das gehört noch zu den freundlicheren Beschreibungen. Nicht wenige betrachten das Hochhaus seit jeher als Schandfleck, der abgerissen gehört, zumal die spätere Asbestbeseitigung hohe Summen verschlang. Die F.A.Z. verriss es schon vor der Eröffnung im Jahr 1973 als „architektonisch missraten“. Der damalige Unmut war so groß, dass man kurze Zeit später eine Höhenbegrenzung von 37 Metern auf Pariser Boden einführte.
Die Höhenbegrenzung für Neubauten beträgt wieder: 37 Meter
Bürohochhäuser wurden fortan in das Geschäftsviertel La Défense westlich von Paris verbannt. Nur in den 2010er-Jahren wehte noch einmal ein Wind der architektonischen Liberalisierung durch Paris, woraufhin am Stadtrand der Neue Justizpalast (160 Meter) und die Zwillingshochhäuser Tours Duo (180 Meter) entstanden. Auch die Pläne für den 180 Meter hohen Triangle-Turm stammen aus dieser Zeit. Ende dieses Jahres soll dieses pyramidenartige gläserne Gebäude auf dem Messegelände im Pariser Südwesten stehen. Umstritten auch deshalb, weil es statt dringend benötigten Wohnraum Büros bietet, bleibt der Triangle-Turm bis auf Weiteres der letzte neue Wolkenkratzer. Inzwischen gilt in Paris wieder die Höhenbegrenzung von 37 Metern.
Ehe in La Défense vor ein paar Jahrzehnten eine neue Gigantomanie um sich griff, war der Montparnasse-Turm gar das höchste Gebäude Frankreichs, sieht man vom 330 Meter hohen Eiffelturm ab. Und so wurde seine Terrasse auf Etage 59 schnell zum Touristenmagnet. Rund 30 Millionen Besucher bilanziert das Unternehmen Magnicity, das das Observatorium hier und auf fünf weiteren Hochhäusern betreibt, darunter die Aussichtsplattform auf dem Berliner Fernsehturm. Magnicity hat die Montparnasse-Terrasse immer wieder für Marketingzwecke genutzt, etwa für Modeschauen oder einen Auftritt von Popsänger Justin Bieber.
Auch nach der Renovierung sollen Touristen wieder auf die Dächer von Paris blicken können, doch das Ambiente wird sich stark ändern. So soll an der Stelle der bislang schlichten, offenen Montparnasse-Terrasse ein Gewächshaus stehen. Der gastronomische Bereich darunter soll komplett neu gestaltet werden. Das gilt auch für andere Turmelemente, wobei die Planungen noch laufen, erklärt man bei Magnicity. Vorgesehen ist zudem ein Hotelbetrieb auf zwei bis drei Etagen, im Rest bleiben Büros. Der Sockel soll verbreitert werden, der Stararchitekt Renzo Piano das anliegende Einkaufszentrum umgestalten – und eine helle, freundliche Glasfassade den geschmähten Monolithen endlich auch äußerlich ansprechend machen.
