
Im spanischen Teruel wird es auf dem Flugplatz wieder voller. Und das liegt nicht an Passagieren. Die Airportflächen sind ein Flugzeugparkplatz, in der Corona-Pandemie hatten Lufthansa und andere Airlines das Gelände vollgestellt. Nun haben Qatar Airways aus Doha und Gulf Air aus Bahrain Flugzeuge vorbeigebracht, die sich wegen der Betriebseinschränkungen im Nahost-Konflikt nicht füllen lassen. Fernreisen mit Umstieg am Persischen Golf sind aktuell kein gutes Geschäft, das Auswärtige Amt hat in seinen Reisehinweisen konkretisiert, dass es nicht nur vor Urlaub am Golf, sondern auch vor kurzen Aufenthalten zum Flugzeugwechsel dort warnt.
Lufthansa rechnet offenbar nicht mehr damit, dass sich die Flugnachfrage für die Golfregion kurzfristig erholt. Mit Verweis auf die „volatile Situation“ setzt der Konzern Flüge in die Region bis Ende April aus. Mehr noch: Abu Dhabi, Amman in Jordanien, Damman sowie Riad in Saudi-Arabien und einige weitere Ziele verschwinden bis Oktober aus dem Flugplan, nur für Dubai hält man sich noch offen, eventuell im Juni wieder dorthin zu fliegen. Erklärt wird dieser Schritt nicht mit Sicherheitsbedenken, sondern mit „operationellen Gründen“.
„Die Nachfrage nach Flügen in den mittleren Osten ist eingebrochen, dadurch lassen sich Streckenstreichungen europäischer Fluggesellschaften erklären“, sagt Luftfahrtfachmann Gerald Wissel vom Beratungsunternehmen Airborne Consulting. „Die Airlines benötigen die Flugzeuge nun auf anderen Strecken.“ Lufthansa hat schon einige Zusatzflüge nach Fernost aufgelegt, um Passagiere, die nicht mehr den Weg über die Flugdrehkreuze in den Emiraten nehmen, in die eigenen Flugzeuge zu holen. Es könnten bald mehr werden.
„Nicht die Kapazitäten, um Flüge der Golf-Carrier zu ersetzen“
„Momentan profitieren andere Luftfahrtdrehkreuze, da der Verkehr über die Golfregion stark eingeschränkt ist“, sagt Wissel. Er geht aber davon aus, dass dies nur ein „vorübergehender Effekt“ bleibe. „Die Emirate werden viel dafür tun, damit das Geschäftsmodell ihrer Airlines mit Umstiegen am Golf nicht dauerhaft Schaden nimmt.“ Dazu wird wohl auch diplomatischer Druck auf die USA zählen, einen mit Angriffen eskalierten Konflikt nicht dauerhaft am Köcheln zu halten.
Die Hürden auf dem Reiseweg über die Golfregion nach Fernost erscheinen zunächst gut für europäische Gesellschaften wie Lufthansa und Co. Für Interkontinentalreisende könnte sie dennoch zum Schaden geraten. „Europäische Fluggesellschaften legen zusätzliche Flüge nach Asien auf. Sie haben aber nicht die Kapazitäten, um die Flüge der Golf-Carrier zu ersetzen“, sagt Wissel. Zu groß sind die Kapazitäten, die Airlines wie Emirates, Qatar Airways, Etihad und weitere über Jahre aufgebaut haben.
Laut Flugdatendienstleister Cirium sind seit der Konflikteskalation mehr als 27.000 Flüge allein von Gesellschaften mit Sitz in der Region ausgefallen. Dabei haben Airlines wie Emirates schon nach wenigen Tagen einen reduzierten – militärisch abgesicherten – Betrieb wieder aufgenommen. Weiterhin kommt aber jeden Tag eine dreistellige Zahl an Ausfällen hinzu.
„Steigende Kerosinpreise sorgen für Kostenschub“
Karsten Benz, Professor für Luftverkehrsmanagement an der Fachhochschule Worms, prognostiziert, dass Fliegen teuer bleibt. „Ohne die Kapazitäten der Golf-Carrier ist das Flugangebot nach Asien um 50 Prozent kleiner. Und die steigenden Kerosinpreise sorgen bei Airlines für einen Kostenschub. Die Angebotsreduktion und das teurere Kerosin führen zu steigenden Ticketpreisen“, sagt Benz. „Ich kann allen, die nach Asien reisen wollen, nur raten, lieber jetzt zu buchen, statt auf günstigere Tickets zu warten.“
Auf Interkontinentalstrecken gäben Airlines ihre höheren Kosten über die Ticketpreise an die Passagiere weiter. „Das hilft, die Profitabilität zu steigern“, sagt Benz. „Im innereuropäischen Verkehr werden hingegen große Flugzeugkapazitäten und der Wettbewerb zwischen Airlines den Anstieg der Ticketpreise dämpfen.“ Für Mittelmeerurlauber ist das eine tröstliche Aussicht, für Fluggesellschaften eine Herausforderung.
„Die Preise für Langstreckenflüge können länger höher bleiben“, sagt Benz. „Aktuell fliegen die Fluggesellschaften noch mit Kerosin, dass sie frühzeitig über Hedging-Kontrakte abgesichert und relativ günstig eingekauft haben. Alles, was nun für die Zukunft kontrahiert wird, ist teurer.“
Wird das Kerosin knapp?
Der Kerosinpreis hatte sich zuletzt verdoppelt. Lufthansa hat nach Konzernangaben für das zweite Quartal 77 Prozent des Kraftstoffbedarfs abgesichert. Zuletzt setzte der Konzern aber vorübergehend den Abschluss neuer Hedging-Kontrakte aus – zu ungünstig seien die Konditionen. Andere Airlines waren schon vorher weniger abgesichert. Die skandinavische SAS kündigte an, ihren Flugplan auszudünnen.
Der Kerosineinkauf ist für Airlines aber nur ein Thema, die tatsächliche Verfügbarkeit des Kraftstoffs an Flughäfen ein anderes. Stefan Schulte, der Chef des Frankfurter Fraport-Konzerns sagte zwar vor einigen Tagen, er sehe keine Anzeichen, dass Kerosin in den hiesigen Tanklagern knapp werde. Auch Europas größter Billigflieger Ryanair, der fast nur innerhalb Europas fliegt, erklärte, dass man in den nächsten zwei Monaten gar keine Engpässe erwarte.
Sorgenvoller klang Ben Smith, der Chef des Air-France-KLM-Konzerns – wenn auch nicht mit Blick auf die Flughäfen in Paris oder Amsterdam. „Südostasien ist viel abhängiger vom Treibstoff über den Golf als Europa“, zitierte ihn die „Financial Times“. Schlimmstenfalls drohe, dass man, dass man aus Südostasien nicht zurückfliegen könne.
Luftfahrt-Professor Benz pflichtet ihm bei. „In Europa zeichnen sich aktuell noch keine Engpässe in der Kerosinversorgung ab. In Asien werden an ersten Flughäfen aber schon Engpässe beim Jet Fuel zum Thema“, sagt er. „Auf dem Hinflug das für den Rückweg benötigte Kerosin im Tank mitzunehmen, funktioniert auf langen Interkontinentalstrecken nicht.“ Dafür seien die Tanks nicht groß genug. Willie Walsh, Chef des Luftfahrtverbands Iata, sagte in der vergangenen Woche am Rande einer Branchentagung in Brüssel mit Blick auf die Kerosinpreise: „Es gibt keine Gewinner. Das wird jeden treffen.“
