Osterschokolade bleibt für Verbraucher auch in diesem Jahr vergleichsweise teuer – trotz zuletzt gesunkener Kakaopreise. «Der Kakaomarkt war in den vergangenen Jahren von einer außergewöhnlich hohen Volatilität geprägt und erreichte zwischenzeitlich historische Höchststände», sagte der Chef des Süßwarenunternehmens Wawi in Pirmasens, Richard Müller.
Zwar seien die Preise mittlerweile wieder gesunken, doch die Endverbraucherpreise würden noch auf älteren Verträge basieren. «Deshalb liegen die Preise für Osterprodukte aktuell noch auf einem ähnlichen Niveau wie die Weihnachtsartikel im vergangenen Jahr», sagte Müller.
«Die aktuelle Iran-Krise hat spürbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte und insbesondere den Ölpreis, was wiederum die Transportkosten erhöht.» Steigende Logistikkosten wirken sich demnach auf die gesamte Lieferkette aus und erhöhen damit indirekt auch die Preise für Schokoladenprodukte. Zudem würden auch Verpackungsmaterialien teurer.
«Mittelfristig ist davon auszugehen, dass sich die Schokoladenpreise im Handel wieder etwas entspannen werden», sagte Müller. Erste Entlastungen für Verbraucher seien frühestens im Weihnachtsgeschäft 2026 sowie verstärkt ab 2027 zu erwarten.
Teuerungsrate bei Süßwaren
Das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz hat anhand der Veränderung des Verbraucherpreisindex ermittelt, dass Nahrungsmittel im März 2026 insgesamt um ein Prozent teurer waren als im Vorjahresmonat.
Besonders zeigen sich die Preissteigerungen bei Süßwaren: Während Zucker, Marmelade, Honig und anderen Süßwaren um 8,4 Prozent teurer wurden, verteuerten sich Riegel oder andere Erzeugnisse aus Schokolade den Statistikern zufolge um 19,3 Prozent.
Schwankende Kakaopreise
Auch kleinere Hersteller sehen sich mit steigenden Kosten konfrontiert. In der Koblenzer Altstadt gießt Lucien Krempel Schokolade in Ostereierformen. In seiner Schokoladenmanufaktur Cahua steht seit der Eröffnung im Jahr 2020 hochwertige, handgefertigte und faire Schokolade im Fokus.
«Von der Bohne bis zur Tafel machen wir hier alles selbst», sagte der gelernte Süßwarenmeister. «Wir kaufen die Bohnen von kleinen Familien aus Peru, Costa Rica, Thailand, Uganda und anderen Ländern, die auf ihre Kakaobäume achten, die sie gut anpflanzen in Mischökologien und keine Pestizide nutzen.» Dafür zahlen die Kunden rund 8 Euro für eine Tafel.
«Wir kaufen zweimal im Jahr Bohnen ein. Jeder, der noch vor November gekauft hat, hat noch einen extrem hohen Preis bezahlt. Und das wird ja jetzt gerade noch verarbeitet.» Zeitweise war Kakaobutter so teuer, dass die Manufaktur sich entschied, keine weiße Schokolade herzustellen. Preissteigerungen für Verbraucher, um die Herstellungskosten auszugleichen, sind demnach bei kleinen Manufakturen nur begrenzt möglich.
Sollte Schokolade günstiger werden?
In der Industrie bemerkt Krempel, dass Hersteller immer weniger Schokolade in Schokoladenprodukten verwenden, und dafür etwa mehr Palmfett hinzugeben, um so die Preise in Schach zu halten.
Der Süßwarenmeister bezweifelt, dass die Verbraucherpreise bei Industrieprodukten noch einmal sinken werden. «Meiner Meinung nach wäre es auch nicht gut, wenn die Preise wieder sinken – das wäre nicht gut für die Kakaobauern. Schokolade ist ein Luxusgut und in Deutschland noch verhältnismäßig günstig.»
Schwankende Kakaopreise
Seine Geschäftspartnerin Franka Rössel sieht in den stark schwankenden Kakaopreisen eine große Herausforderung. «Der Weltmarktpreis ist seit 2023 deutlich angestiegen und unterliegt immer noch starken Schwankungen», sagte die Schokoladen-Sommelière. Grund dafür seien strukturelle Probleme der Hauptanbauregionen vor allem in Westafrika, wie veraltete Plantagen und ausgelaugte Böden durch Monokulturen, Pflanzenkrankheiten und klimatischen Veränderungen.
«Das betrifft auch uns, obwohl wir unseren Kakao nicht aus Westafrika beziehen», sagte Rössel. Da der Kakao global an der Börse gehandelt werde, komme es zu spekulativen Effekten: «Händler und Zwischenakteure kaufen vermehrt Rohstoffe auf, wodurch auch bei unseren Partnern Preise steigen oder die Verfügbarkeit kurzfristig unter Druck gerät. Das haben auch wir selbst erfahren, wir warten seit über einem Jahr auf eine zugesagte Lieferung einer unserer Partner.»
Mehrwert von hochwertiger Schokolade
Rössel sieht dabei jedoch auch etwas Gutes: «Ein positiver Effekt ist jedoch, dass durch die gestiegenen Preise der Industrie der Abstand zu hochwertiger, handwerklicher Schokolade für viele Verbraucher kleiner wirkt.» Wenn der Mehrwert verstanden werde, seien Kunden eher bereit, diesen Preisunterschied mitzutragen.
Krempel empfiehlt beim Kauf von Schokolade darauf zu achten, dass kein Aroma und keine Fremdfette hinzugefügt wurden. Auch Kakaopulver sollte vermieden werden, denn es erhöht zwar den Schokoladenanteil – meist in Prozent angegeben – macht die Schokolade jedoch auch trocken, da die Kakaobutter vorher herausgepresst wurde. Und nicht zuletzt sollte auch auf die Herkunftsregionen geachtet werden, somit kann nachverfolgt werden, ob die Schokolade aus fairer Herstellung kommt.
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